Tadschikis- / Kirgisis- und Kasachstan
"Muichbrotsuppn"
3.6.25
Julian:
- Noch sind wir nicht allzu lange hier im Land der vielen Berge (93% des Landes angeblich), aber es gibt schon was zu erzählen:
Vorgestern haben wir uns von Samarkand, Usbekistan, auf den Weg nach Dushanbe, Tadschikistan gemacht. Da das hier aber nunmal kein Schengenraum ist, durfte uns das Taxi nur bis zur Grenze fahren, rübergehen mussten wir dann zu Fuß. Die unzähligen Gastbescheinigungen, die wir uns bei jedem einzelnen Guest House ausstellen lassen mussten, wollte natürlich keiner sehen. War ja klar.
Auf der anderen Seite angekommen erwarteten uns, wie erwartet, viele Taxifahrer, die uns nach Dushanbe bringen wollten. Für 300 Somoni pro Person (insgesamt ca. 50 Euro). Der Preis ist an sich akzeptabel, aber wir wissen ja mittlerweile, dass der erste Preis immer viel zu hoch ist. Auf unser Gegenangebot von 100 pro Nase wird mit gespielter Verachtung reagiert - auch das nichts Neues. Wir lassen die erste Reihe Taxifahrer hinter uns und gehen etwa 100 Meter weiter. Und siehe da - 150 pro Person. Voila!
Letzterer ist auch unser Ziel, eine Straße, die durch die, Überraschung! Berge Tadschikistans führt. Ein Auto zu mieten ist hier sehr kompliziert, deshalb fährt man diesen Highway in der Regel mit dem Fahrrad, dem Motorrad, oder man mietet sich für viel Geld einen Fahrer. Wir haben weder die Wadeln noch die Maschinen, also wirds Option Nummer drei. Aber hier zeigte sich dann auch gleich der Vorteil eines solchen Hippie-Hostels, denn wir haben nach ein wenig Umfragen schnell zwei Mitfahrer gefunden, einen jungen Schweißer aus Korea und einen älteren Wirtschaft/Recht Lehrer aus San Francisco. In zwei Tagen geht's los!
Unser erstes kulinarisches Highlight gabs auch schon: "Qurutob" besteht aus Brotstücken, die in warmer Milch-Käse-Soße eingeweicht werden, mit ein wenig Salat garniert. Bei uns daheim nennt man das "Muichbrotsuppn"!
Montagsmarkt Dushanbe
4.6.25
Caro
Auf dem Platz wo heute Dushanbe ist, war einmal ein Dorf mit einem großen Montagsmarkt. Bis beschlossen wurde, dass bei der Gründung der tadschikischen Republik in der Sowjetunion 1924 daraus die Hauptstadt werden soll. Nur der Name Dushanbe "Montag " blieb. Sonst hat sich der sowjetische Monumentalismus völlig frei ausbreiten können und grüne Prachtstraßen wie in Paris, riesige Plätze, protzige Regierungsgebäude und Museen und dankenswerterweise auch viele blühende Parks entworfen.
Ich fand die Stadt sehr angenehm, weil sie so grün ist. Und auf den Straßen fahren mehr der weiß grünen E-Taxis als andere Auto rum. Die Taxis sind sehr billig, meistens 10 Somoni-80 Cent. Da alles so weitläufig ist, nutzt man sie auch sehr oft und gerne.
Die Reise an den Osh der Welt
12.6.25
Caro und Julian:
- Wir möchten uns an dieser Stelle für unsere lange Funkstille entschuldigen, aber wir waren die letzten sieben Tage auf dem "Pamir-Highway" unterwegs, der durch die internetlosen Berge von Dushanbe, Tadschikistan, nach Osh, Kirgisistan, führte. Hier also nachträglich unser Reisebericht:
Etappe 1:
Unser Fahrer Akbar holte uns an unserem Hostel in Dushanbe ab. Mit uns reisten, wie bereits erwähnt, ein äußerst höflicher junger Mann namens Jo aus Korea und ein etwas älterer Wirtschaftslehrer aus San Francisco mit Namen Sean. Zwei charakterlich sehr unterschiedliche Menschen, jeder für sich ein Unikat. Aber auch Akbar war auf seine Weise speziell: hoch gebaut, mit gut ausgebildetem Plov-Bach, ein Mann weniger Worte. Auf den ersten Blick erinnerte er mich an einen mürrischen Haremswächter, nur ohne seinen Krummsäbel.
Hinter dem Fluss, entlang einer schroffen Felswand in dreißig Metern Höhe, verlief auf der afghanischen Seite ein sogar noch engerer und brüchigerer Trampelpfad als unserer. Wir konnten es kaum glauben, als wir darauf sogar einen schwer bepackten Taxibus sahen, der sich zwischen Felswand und Fluss hindurchquälte. Zu diesem Zeitpunkt waren wir noch naiv genug zu glauben, dass nur Aghanen verrückt genug wären solche "Straßen" mit etwas größerem als einem Esel zu bereisen. Wir sollten uns bitter täuschen.
Etappe 2:
Wir starteten bereits um vier Uhr früh, denn um sieben Uhr wurde der einzige Weg durch Berge wegen einer Baustelle gesperrt. Nach etwa einer Stunde Fahrt gelangten wir an einen großen LKW-Stau. Der Grund: der Anhänger eines Trucks war über die Böschung gerutscht und hing nun, gehalten von zwei weiteren LKWs, über dem Abgrund, etwa fünf Meter über dem Flußbett. Zu dem Zeitpunkt hatten sich auf dem eigentlich einspurigen Pfad bereits an die fünfzig Lastwägen in jeder Richtung angesammelt. Ein sehr tatkräftiger, aber etwas naiver Fahrer versuchte auf Berghangseite den Weg mit einem Handpickel manuell zu verbreitern. Sisiphos wäre stolz gewesen! Dank des Fahrgeschicks unseres Führers konnten wir uns aber Gott sei Dank an der langen Fahrzeugschlange vorbeidrücken.
Etappe 3:
Dieser Tag stand im Zeichen der körperlichen Entspannung. Wir besuchten auf unserem Weg zwei heiße Quellen, in denen wir uns von den Gerüttel und Geschüttel und den Dutzend Nahtoderfahrungen der Fahrt erholen konnten. Glücklicherweise war die erste Quelle beinahe menschenleer und wir hatten sogar ein Becken ganz für uns alleine. Die zweite Quelle war dafür umso stärker besucht, zumindest der Männerbereich. Hier drückten sich die nackten Leiber im heißen Wasser aneinander, und zum fröhlichen Gelächter der Einheimischen mischten sich die verunsicherten Kommentare der Touristen.
Etappe 4:
Der Weg führte uns weg von grünen Flußbett ins karge Hochgebirge. Der Weg hatte mittlerweile afghanische Züge angenommen, und wir bereuten die Witze, die wir noch vor ein paar Tagen über den Weg auf der anderen Seite gemacht haben. (Ich bin überzeugt, der Weg heißt "Highway" weil er ein "hoch gelegener Weg" ist). Und als wäre das noch nicht genug, musste Akbar das Auto immer wieder durch große Schaf- und Kuhherden navigieren, die sehr unbeeindruckt von seinem Gehupe die Straße in Beschlag genommen hatten.
Das Gasthaus hatte aber auch viele positive Verkaufsargumente: Die Schüsseldusche, in der der Wasserboiler mit Yakdung aufgeheizt wurde, leckeres Essen mit Yak-Joghurt, und Unmengen anhänglicher kleiner Kinder, die von unserer mitgebrachten Frisbeescheibe ganz hin und weg waren!
Der Abend endete dann mit einer gemeinsamen Singrunde im Speisesaal, sprich im Schlafzimmer der Niederländer 😊
Das Dorfidyll vor der Kulisse des Bergsees war beinahe nicht von dieser Welt!
Etappe 5:
Wir überquerten den berühmtberüchtigten Berpass und fuhren nach Karakul, einem großen Bergsee mit Dorf. Der Weg führte uns unter anderem an den höchsten (Straßen-) Punkt der Reise, 4600 Meter über Meeresspiegel. Und zur Freude Caros hat es sogar ein wenig geschneit! Der Wechsel zwischen Schnee, Wolken und Sonne hat die Dramatik der Landschaft noch gesteigert.
Etappe 6:
Nachdem wir in den letzten Tagen sogar Pakistan in der Ferne sehen konnten, ging es für den letzten Teilabschnitt in Tadschikistan sogar noch an der chinesischen Grenze entlang.
Nach einer Stunde Fahrt übergab uns Akbar an einen anderen Fahrer, denn es ist tadschikischen Taxifahrern verboten nach Kirgisistan einzureisen. Zwischen den beiden Ländern gibt ein so genanntes "No Man's Land", eine etwa 20km breite, neutrale Zone. Wir mussten die Grenzbeamten bestechen, damit Akbar uns auch wirklich die letzten Meter zu unserem Übergabeort in der neutralen Zone fahren durfte! (Da die 20km zu keinem Land gehören, kümmert sich auch niemand um die Straßen, dementsprechend gings auch mehr in Schlaglöchern als auf Weg dahin).
Wir fuhren auf immer enger werdenden Wegen mitten in die Berge, durch Bäche und über Wiesen, jeden Schäfer nach dem Weg fragend. Bis wir am Ende des Weges in einem kleinen Jurte-Camp landeten, in dem wir die Nacht verbrachten.
Das Panorama mit dem "Peak Lenin" und yakbevölkerten Blumenwiesen im Hintergrund war atemberaubend!
Nach den Schüsselduschen der letzten Tage gab es hier gar keine Dusche mehr. Caro freute sich, dass sie die Gelegenheit des letzten warmen Wassers noch fürs Haarewaschen genutzt hatte.
Auch in unseren Schlafjurten wurde ein Ofen angeschürt, so dass wir es zumindest den Großteil der Nacht schön warm hatten. Leider hielt das Feuer in Jo und Sean's Zelt nicht lange, und so war die Nacht für die beiden leider sehr kalt. Sean brauchte den ganzen folgenden Tag, um sich von den Strapazen zu erholen.
Etappe 7:
Bei fünf Grad über Null starteten wir unsere letzte Fahrt nach Osh, wir wir etwa vier Stunden später bei dankbaren (viel zu warmen) 27 Grad ankamen. Unterwegs überquerten wir den letzten Bergpass und konnten noch einmal viele große Schaf- und Kuhherden bewundern.
Impressionen vom Weg:
Kleine Pause von dem ganzen Abenteuer
15.6.25
Caro
Nach der Fahrt, dem Geruckel und den harten Betten, den kalten Nächten, keinem Internet und wenig Duschmöglichkeiten haben wir in Osch drei Tage einfach nur gechillt. Ausgiebigst warm geduscht, netflix geschaut und gut gegessen. Wenn man so lange unterwegs ist, haben wir gespürt, dass das zwischendurch immer mal wieder nötig ist.
Osch ist erstaunlich heiß und es gibt Supermärkte auf Western Standard und ein tolles Kino!
Ansonsten gibt es eine Lenin-Avenue und gerade keinen Lenin mehr am Stadtplatz.
Auf dem Rücken der Pferde sitzen wunde Hinterbacken
18.6.25
Caro
Jedes Kind kann hier reiten und Pferde sind überall. Deshalb wollte ich mich durch die kirgisischen Berge auch mit dem Pferd bewegen. Wir haben uns einen Guide gesucht und sind mit ihm und dem Pferdebesitzer drei Tage lange über Berge und durch wunderschöne Täler von Yurtcamp zu Yurtcamp geritten.
Unser Gepäck haben wir dabei selber getragen (beziehungsweise ja eigentlich auch unser Pferd für uns) und ein Pferd musste das ganze Essen für die Picknicks schleppen.
Unsere Pferde waren sehr treue Traber, ein bisschen kleiner als die Pferde in Texas - und klettern können sie wie Bergziegen! Wir durften ihnen auch Namen geben, weil Kirgisen ihre Pferde nicht benennen: sie sagen einfach nur "das schwarze", " das gescheckte", "das braune".
So taufte Julian sein Pferd "Cappuccino", da es für den kaffeehungrigen Julian aussah wie die perfekte Crema.
Mein Pferd wurde Adidas, wegen seiner 3 Streifen auf der Seite. Wie wenn es ein Adidas-Shirt aus den 2000ern anhätte.
Physiologisch war das also noch kein Genuss, aber die blühenden Bergwiesen, der unglaubliche Ausblick vom Pass und die Sicht in das idyllische Tal, in das wir ritten, war es absolut wert.
In der Familie des Yurtcamps lebten gerade noch vier Enkelinnen, die während ihrer Schulferien zur Oma auf "die Alm" geschickt werden. Die zwei älteren Teenies sahen mäßig begeistert aus. Sie verbrachten ihren Abend damit, mit der Oma zusammen vor der Hütte zu sitzen. Ich habe mich dazugesellt und gerätselt bis es zu dunkel dazu war.
Es gab keine Elektrizität - also ab ins Matratzenlager.
Sonstige Beschäftigungen in dem Yurt-Dorf: Volleyball spielen, Tiere zusammen suchen, fremde Tiere von den eigenen fern halten. Damit lässt sich viel Zeit verbringen.
Vor dem Mittagessen ritten wir wieder einen Pass hinauf, mitten durch Blumenwiesen, die so gut dufteten. Vorbei an Kuhherden, die von uns völlig unbeeindruckt waren und durch Pferdeherden. Das war etwas völlig anderes. Der Leithengst der Truppe wurde bei uns fremden Pferden scheinbar sehr eifersüchtig und besitzergreifend gegenüber seinen Stuten. Unsere Führer suchten möglichst einen Umweg um die Pferdeherden zu machen oder wenn wir nah vorbei mussten stiegen sie ab, wedelten wild und riefen um die Hengste und ihre Herde zu verscheuchen. Ein Kampf mit anderen Pferden ist wohl der worst case, der horsemen will auf jeden Fall verhindern, dass Bisse und Tritte seine Reitpferde verletzen.
In einer Wiese mit atemberaubender Aussicht in alle Richtungen machten wir Picknick. Und erholten unsere Hinterbacken ein bisschen, wobei es am zweiten Tag viel viel besser ging und lang nicht mehr so wehtat. Oben am Pass sahen wir schon das grüne Tal mit vielen Yurtcamps und noch mehr Kuh,- Schaf,-und Pferdeherden, in dem wir die nächste Nacht verbringen würden.
Kymyz ist ziemlich teuer, vielleicht weil der Herstellungsprozess so schwierig ist.
Dazu muss erst einmal eine Ziegenhaut ausgeräuchert werden. Das passiert in so lustigen kleinen Feuerchen, die aussehen wie der sprechende Hut, der dampft. Wenn die Ziegenhaut ganz schwarz ist, kommt die gemolkene Stutenmilch da rein und wird aufgehängt damit es fröhlich vor sich hin fermentieren kann. Zhashtyk meinte, ihm schmeckt es am ersten oder zweiten Tag am besten, dann ist es noch nicht ganz so sauer und hat nicht so viel Alkoholgehalt. Bis es verpackt, im nächsten Dorf verkauft, in die Stadt gebracht und im Restaurant verkauft wird vergehen 5 bis 6 Tage und dann ist es so sauer und stark, dass das mit dem kotzen nicht so lange dauern würde. Wie beim Äpplwoi nehm ich mal an.
Und beim Blick aus der Tür sah man Pferde vorbeigaloppieren und Kälber rumtollen. Reinstes Idyll. Für unsere Guides nicht so. Da in dem Tal sehr viele Pferdeherden und damit viele Machohengste unterwegs waren, brachten sie unsere Reitpferde etwas weiter weg unter. Und sie übernachteten in einem Zelt daneben und hielten abwechselnd Wache um andere Hengste zu vertreiben. Das ist das Cowboy-mäßigste was ich je erlebt habe!
Nach einem kleinen Picknick kamen wir bald schon an der Hauptstraße unten an. Da wartete ein Anhänger auf unsere Pferde. Sie sahen nicht so aus, als würde ihnen der Abschied schwer fallen. Zu viele Touris, die sie schon geschleppt haben. Aber sie wirkten ganz zufrieden und als freuten sie sich auf ihren Feierabend. Den haben sie auch verdient, sie haben uns über wirklich hohe Berge getragen und alles ohne Zicken von uns ertragen. Ein sehr sehr toller Treck durch unglaublich schöne Berglandschaften! Drei Tage waren auch perfekt. Ohne Duschen kann ich es kaum länger aushalten und mein Hintern freut sich jetzt über eine Pause.
Reiseramsch
Tadschikistan und Kirgisistan
20.6.25
Julian:
- während wir hier im Flughafen Osch auf unseren Flug nach Kasachstan warten, trage ich mal die wundersamen Dinge und Gebräuche unserer vorherigen Stans zusammen:
- die Walnuss wird in Tadschikistan "Jor Mas" genannt, was sich in "vier Gehirne" übersetzt
- wenn man hier eine Kanne Tee vorgesetzt bekommt, schüttet man die ersten beiden Tassen zurück in die Kanne, um den Tee besser zu durchmischen
- Im Supermarkt werden Waren nich horizontal, sondern vertikal sortiert, etwa so:

- Männer tragen ihre gemeinsame Freundschaft zur Schau, indem einer die Hand auf die von ihm angewandte Schulter des anderen legt - die Körper an sich halten dabei aber immer gebührenden Abstand voneinander, was dem ganzen eine seltsame Wirkung verleiht...
- Stadtparks und Grünflächen werden hier mit langen, schwarzen Schläuchen bewässert, die überall durch die Stadt verlaufen. Dabei ist es anscheinend völlig gebräuchlich, dass man einen Schlauch vom Boden aufhebt und damit seinen Durst löscht. Sehr praktisch!
- In Kirgisistan gibt es zwei Arten von Autos, einmal mit dem Lenker auf der linken Seite und einmal auf der rechten! Beide Modelle sind hier gleichermaßen in Gebrauch, wobei scheinbar im nächstem Jahr die "Rechtslenker" verboten werden sollen...
Monumentale Monumente
und der "Fake Donald's"
22.6.25
Julian :
- Da wir nur für insgesamt vier Tage in Almaty und damit in Kasachstan sein werden, werden sich unsere kulturell tiefgreifenden Erfahrungen vermutlich in Grenzen halten. Was Caro und mir hier aber schon sehr stark aufgefallen ist, sind die vielen, extrem nationalistisch-kommunistischen Statuen, die hier gefühlt an jeder Straßenecke stehen:
Passenderweise war an dem Tag, als wir all diese Statuen in der Stadt erkundet haben, gerade Abschlussfeier der Militärakademie, und es waren viele junge Männer in Uniform zu sehen. Die Damen haben sich auch schön gemacht zur Feier des Tages - und zwar in ihren Brautkleidern! Anscheinend ist es hier Sitte, dass man zu bestimmten Anlässen das schönste Kleid anzieht das man hat - und das ist bei Ehefrauen nunmal das Brautkleid 😊
Tatsächlich war es für uns aber auch erfrischend, dass Kasachstan nach all den Ländern zuvor anscheinend wieder so westlich geprägt ist, dass es Burger King und McDonalds gibt:

Die Neugier packt uns und wir gehen rein. Und tatsächlich: alles heißt zwar anders, aber es sind ganz eindeutig alle Burger von McDonald's, der Big Mac, Der Royal TS... alle sind da. Unsere derzeitige These: McDonald's hat sich aus PR technischen Gründen zwar aus Kasachstan zurück gezogen, führt seine Geschäfte aber unter falschem Namen weiter.
Einen Unterschied gibt es jedoch: bei den Bestellterminals, wo man sein Essen an einem Bildschirm auswählt, muss man bei jedem Item jede einzelne Zutat extra auswählen. Ich musste das auf die harte Tour lernen, als ich bei meinem Burger einfach wild auf die kyrillisches Wörter geklickt hab und das dabei rauskam:

Kultur und so
24.5.25
Caro:
Man könnte fast den Eindruck bekommen, wir haben in Kasachstan nicht mehr gemacht als essen zu gehen. Was nur fast stimmt! Ich war auch im Konzert! Ich habe auf einem Plakat gesehen, dass ein Konzert gegeben wird, mit Schostakowitschs fünfter Sinfonie. Da war ich super neugierig und wollte mir nicht die Chance entgehen lassen, das Werk mal von einem "sowjetischen" Orchester zu hören. Und ich wurde positivst überrascht: hervorragendes Orchester, aber am meisten beeindruckt hat mich die klangliche Balance in der unglaublich guten Akustik.
Deutlich anders als in den anderen Stan-Ländern. In Taschkent waren wir im Ballett, die einzige Veranstaltung, die in der Woche stattfand. In Samarkand gabs eine Riesenoper, aber da fand nur hin und wieder eine Touri-Volksmusikshow statt. An der Oper in Dushanbe hing im Juni noch der Mai-Spielplan mit seinen 4 Veranstaltungen.
Und jetzt kommt meine steile These dazu: Das liegt nicht an der geographischen Lage, an der Infrastruktur (riesige Opernhäuser sind aus der sowjetischen Zeit überall vorhanden) oder an der andersartigen Volksmusik. Die ist in Usbekistan und Kirgisistan sehr ähnlich zu Kasachstan. Ich behaupte, das liegt an der mehrheitlichen Religion, die in Kasachstan das orthodoxe Christentum ist. Ich glaube das fördert das Verständnis für klassische Musik, die Bedeutung von Musik als ästhetische Kultur und dass man das gemeinsam öffentlich genießen kann.
In allen Konzerthäusern zum Beispiel habe ich quasi keine Frauen mit Hijab gesehen.
Im Hinblick auf die Musikkultur habe ich eine deutliche Nähe zu Russland gespürt.
Weitere Kulturnotizen:
Die Architektur ist sehr sowjetisch-praktisch, ein paar alte Holzhäuser sind auch zu finden.
Zumindest hier im Süden in Almaty war die Bevölkerung hauptsächlich asiatisch-mongolisch. Tatsächlich sehr ähnlich zu Kirgisistan. Ausser, dass deutlich mehr Knie zu sehen war: Hier tragen auch Frauen wieder kurze Hosen. Am ersten Tag kurz ungewohnt, aber jetzt irgendwie ein schönes Bild, dass ich mal wieder modischere Menschen sehe!