Tadschikis- / Kirgisis- und Kasachstan 


"Muichbrotsuppn" 

3.6.25
Julian:

- Noch sind wir nicht allzu lange hier im Land der vielen Berge (93% des Landes angeblich), aber es gibt schon was zu erzählen:

Vorgestern haben wir uns von Samarkand, Usbekistan, auf den Weg nach Dushanbe, Tadschikistan gemacht. Da das hier aber nunmal kein Schengenraum ist, durfte uns das Taxi nur bis zur Grenze fahren, rübergehen mussten wir dann zu Fuß. Die unzähligen Gastbescheinigungen, die wir uns bei jedem einzelnen Guest House ausstellen lassen mussten, wollte natürlich keiner sehen. War ja klar. 

Auf der anderen Seite angekommen erwarteten uns, wie erwartet, viele Taxifahrer, die uns nach Dushanbe bringen wollten. Für 300 Somoni pro Person (insgesamt ca. 50 Euro). Der Preis ist an sich akzeptabel, aber wir wissen ja mittlerweile, dass der erste Preis immer viel zu hoch ist. Auf unser Gegenangebot von 100 pro Nase wird mit gespielter Verachtung reagiert - auch das nichts Neues. Wir lassen die erste Reihe Taxifahrer hinter uns und gehen etwa 100 Meter weiter. Und siehe da - 150 pro Person. Voila! 

Drei sehr halsbrecherische Stunden später, durch die kiesigen, schlaglöchrigen, serpentinischen, atemberaubend schönen Berge, bei durchschnittlich 120km/h kommen wir Gott dankend an unserem Hostel an. Und witzigerweise sind die meisten Gäste dieser Jugendherberge älter als wir hihi. Hat ein bisschen Hippie-Vibe, diese ganzen 60-jährigen die da so im Gemeinschaftsbereich beieinander sitzen, sich eine halbe Melone teilen und über den Pamir Highway schwelgen.

Letzterer ist auch unser Ziel, eine Straße, die durch die, Überraschung! Berge Tadschikistans führt. Ein Auto zu mieten ist hier sehr kompliziert, deshalb fährt man diesen Highway in der Regel mit dem Fahrrad, dem Motorrad, oder man mietet sich für viel Geld einen Fahrer. Wir haben weder die Wadeln noch die Maschinen, also wirds Option Nummer drei. Aber hier zeigte sich dann auch gleich der Vorteil eines solchen Hippie-Hostels, denn wir haben nach ein wenig Umfragen schnell zwei Mitfahrer gefunden, einen jungen Schweißer aus Korea und einen älteren Wirtschaft/Recht Lehrer aus San Francisco. In zwei Tagen geht's los! 

Bevor wir uns aber in die Berge aufmachen, wollte ich noch eine SIM Karte kaufen. Mit den Google Translator bewaffnet gehe ich zu einem Elektronik Stand und halte dem Verkäufer mein Begehren unter die Nase. Dieser wiederum tippt seine Antwort in sein Handy und lässt mich lesen: "Do you want plan with unlimited night fucking?" Mein erster intrinsischer Gedanke war ihm meinen Geldbeutel hunterherzuwerfen und zu rufen: "Shut up and take my money!" Leider stellte sich heraus, dass Google Translator - aus welchem Grund auch immer - das Wort "surfen" kurzerhand umgewidmet hat. Tja, wieder nix gewesen. 

Unser erstes kulinarisches Highlight gabs auch schon: "Qurutob" besteht aus Brotstücken, die in warmer Milch-Käse-Soße eingeweicht werden, mit ein wenig Salat garniert. Bei uns daheim nennt man das "Muichbrotsuppn"! 


Montagsmarkt Dushanbe 

4.6.25

Caro

Auf dem Platz wo heute Dushanbe ist, war einmal ein Dorf mit einem großen Montagsmarkt. Bis beschlossen wurde, dass bei der Gründung der tadschikischen Republik in der Sowjetunion 1924 daraus die Hauptstadt werden soll. Nur der Name Dushanbe "Montag " blieb. Sonst hat sich der sowjetische Monumentalismus völlig frei ausbreiten können und grüne Prachtstraßen wie in Paris, riesige Plätze, protzige Regierungsgebäude und Museen und dankenswerterweise auch viele blühende Parks entworfen. 

Der Präsident wollte auch das größte Teehaus bauen. Das Projekt geriet irgendwo auf dem Weg völlig aus dem Ruder. Warum ein Teeraum, wenn man auch hunderte haben kann? 
1991, zur Unabhängigkeit hatte man die nächste Gelegenheit groß zu denken. Auch die wurde bestens ausgefüllt: Ein überdimensionierter Platz zum Exerzieren? oder fürs Oktoberfest? mit bunt leuchtendem Turm und ein künstlicher See mit dem damals größten Flaggenmast waren da drin. Momentan werden überall in der Stadt moderne Apartmenthäuser und ganze Prachtstraßen gebaut. Scheinbar kommen so viele Leute hierher.

Ich fand die Stadt sehr angenehm, weil sie so grün ist. Und auf den Straßen fahren mehr der weiß grünen E-Taxis als andere Auto rum. Die Taxis sind sehr billig, meistens 10 Somoni-80 Cent. Da alles so weitläufig ist, nutzt man sie auch sehr oft und gerne. 


Die Reise an den Osh der Welt 


12.6.25 

Caro und Julian:

- Wir möchten uns an dieser Stelle für unsere lange Funkstille entschuldigen, aber wir waren die letzten sieben Tage auf dem "Pamir-Highway" unterwegs, der durch die internetlosen Berge von Dushanbe, Tadschikistan, nach Osh, Kirgisistan, führte. Hier also nachträglich unser Reisebericht:

Etappe 1:

Unser Fahrer Akbar holte uns an unserem Hostel in Dushanbe ab. Mit uns reisten, wie bereits erwähnt, ein äußerst höflicher junger Mann namens Jo aus Korea und ein etwas älterer Wirtschaftslehrer aus San Francisco mit Namen Sean. Zwei charakterlich sehr unterschiedliche Menschen, jeder für sich ein Unikat. Aber auch Akbar war auf seine Weise speziell: hoch gebaut, mit gut ausgebildetem Plov-Bach, ein Mann weniger Worte. Auf den ersten Blick erinnerte er mich an einen mürrischen Haremswächter, nur ohne seinen Krummsäbel. 

Nach ein paar Stunden Fahrt bei dreißig Grad und vollgeschwitzten Sitzen, durch kleinere Vororte Dushanbes und tadschikische Dörfer gings in die Berge und über unseren ersten kleinen Pass. Die deutsche Vernunft würde eigentlich diktieren, dass man auf ausgebauten Teerstrassen schnell und auf bergigen Schotterstraßen langsam fährt. Akbar hielt es genau andersherum und preschte mit seinem Toyota Cruiser über die sehr engen Bergpfade, schlug plötzliche Haken, als wäre er ein Kaninchen, dass vor dem Jäger davon läuft. Nur so konnte er bei 80km/h gleichzeitig allen Schlaglöchern ausweichen. 
Den größeren Teil des Tages fuhren wir an einem Fluss entlang, auf dessen anderer Seite bereits Afghanistan war. Man konnte sehr gut die afghanischen Bergbewohner bei ihren Leben und Arbeiten beobachten. Sean fantasierte die ganze Fahrt darüber, einfach kurz hinüber zu schwimmen und Fuß auf ein weiteres Land zu setzen. 

Hinter dem Fluss, entlang einer schroffen Felswand in dreißig Metern Höhe, verlief auf der afghanischen Seite ein sogar noch engerer und brüchigerer Trampelpfad als unserer. Wir konnten es kaum glauben, als wir darauf sogar einen schwer bepackten Taxibus sahen, der sich zwischen Felswand und Fluss hindurchquälte. Zu diesem Zeitpunkt waren wir noch naiv genug zu glauben, dass nur Aghanen verrückt genug wären solche "Straßen" mit etwas größerem als einem Esel zu bereisen. Wir sollten uns bitter täuschen. 

Unsere Fahrt endete in einem kleinen Bergdorf names Qualaikumb, wo wir, nervlich erschöpft von der Fahrt, nach dem Abendessen in unsere Betten fielen. Zuvor wurden wir aber sehr gut verköstigt und sorgten mit unserer Partie Backgammon bei den sechs Kindern der Gastfamilie für gute Abendunterhaltung. 

Etappe 2:

Wir starteten bereits um vier Uhr früh, denn um sieben Uhr wurde der einzige Weg durch Berge wegen einer Baustelle gesperrt. Nach etwa einer Stunde Fahrt gelangten wir an einen großen LKW-Stau. Der Grund: der Anhänger eines Trucks war über die Böschung gerutscht und hing nun, gehalten von zwei weiteren LKWs, über dem Abgrund, etwa fünf Meter über dem Flußbett. Zu dem Zeitpunkt hatten sich auf dem eigentlich einspurigen Pfad bereits an die fünfzig Lastwägen in jeder Richtung angesammelt. Ein sehr tatkräftiger, aber etwas naiver Fahrer versuchte auf Berghangseite den Weg mit einem Handpickel manuell zu verbreitern. Sisiphos wäre stolz gewesen! Dank des Fahrgeschicks unseres Führers konnten wir uns aber Gott sei Dank an der langen Fahrzeugschlange vorbeidrücken. 

Sean fragte fassungslos, ob sowas hier öfter vorkäme. Akbar erklärte uns sehr nüchtern, dass hier in den Bergen etwa zwei- bis dreimal monatlich ein Fahrzeug über den Rand des Abgrunds rutscht. Erst letzte Woche sei ein Sammeltaxi in den Fluss gefallen, nur Fahrer und Beifahrer konnten sich retten. Unserem Gefühl der Sicherheit war diese Geschichte nicht gerade zuträglich. 
Nach der Aufregung gabs erstmal Frühstück in einer kleinen Raststätte an der Strasse. Akbar hatte scheinbar noch keinen Hunger und legte sich erstmal zum Schlafen hin. Die restliche Fahrt nach Khorog verlief bereits durch das vormals umkämpfte und nun autonome Gebiet Bergbadachschan. Um dieses Gebiet zu durchqueren, mussten wir an einigen militärischen Kontrollposten vorbei. Akbar schüttelte ein paar Hände, verteilte dabei filmreif unauffällig ein paar Münzen und Scheine, und schon gings weiter. 
Zum Abendessen gab es, in der letzten großen Stadt vor dem eigentlichen Bergpass, nochmal Pizza. 

Etappe 3:

Dieser Tag stand im Zeichen der körperlichen Entspannung. Wir besuchten auf unserem Weg zwei heiße Quellen, in denen wir uns von den Gerüttel und Geschüttel und den Dutzend Nahtoderfahrungen der Fahrt erholen konnten. Glücklicherweise war die erste Quelle beinahe menschenleer und wir hatten sogar ein Becken ganz für uns alleine. Die zweite Quelle war dafür umso stärker besucht, zumindest der Männerbereich. Hier drückten sich die nackten Leiber im heißen Wasser aneinander, und zum fröhlichen Gelächter der Einheimischen mischten sich die verunsicherten Kommentare der Touristen. 

Noch immer führte unsere Fahrt den afghanischen Grenzfluß entlang. Das Tal war hier auf beiden Seiten sehr fruchtbar und wir kamen an vielen kleinen Dörfern vorbei, in denen fleißig gesät und geerntet wurde. Man sah viele meistens sehr junge Soldaten in 3-er Gruppen den Fluss entlang marschieren. Vielleicht kam das daher, dass der Fluss hier sehr seicht und damit leicht zu überwinden war? 

Etappe 4:

Der Weg führte uns weg von grünen Flußbett ins karge Hochgebirge. Der Weg hatte mittlerweile afghanische Züge angenommen, und wir bereuten die Witze, die wir noch vor ein paar Tagen über den Weg auf der anderen Seite gemacht haben. (Ich bin überzeugt, der Weg heißt "Highway" weil er ein "hoch gelegener Weg" ist). Und als wäre das noch nicht genug, musste Akbar das Auto immer wieder durch große Schaf- und Kuhherden navigieren, die sehr unbeeindruckt von seinem Gehupe die Straße in Beschlag genommen hatten. 

Als wir fast am höchsten Punkt der Strasse waren, stellte Akbar das Auto am Fuße eines Berges ab und zeigte mit dem Finger auf den Gipfel. Der Berg an sich war nur 800 Meter hoch, aber wir waren bereits auf 4000 Höhenmetern angelangt, was den Aufstieg deutlich erschwerte. Besonders Sean, der sein ganzes Leben auf Meeresniveau verbracht hat, hatte sehr zu kämpfen. Und auch Jo schien mit Höhenkrankheit zu kämpfen, er litt sogar noch in den kommenden Tagen an Kopfschmerzen und Appetitlosigkeit. 
Völlig außer Atem kamen wir aber alle am Gipfel an. Beim Abstieg beäugten uns Dutzende Murmeltiere, die es hier wohl in großer Zahl gibt und die immer mal wieder neugierig aus ihren Löchern spitzten. 
Der Rest des Weges führte uns durch geröllbedeckte Mondlandschaften und schneebedeckte Berggipfel. Als der Tag sich bereits dem Ende neigte, hielten wir alle Ausschau nach einer Stadt, konnten aber nur ein paar kleinen Hütten auf der anderen Seite eines Sees ausmachen. Und tatsächlich gab es hier, mitten in den Bergen und abseits jeder anderen Siedlung, eine kleine Ansammlung von Häusern, von denen eines das Gasthaus war, in dem wir die Nacht verbrachten. Da dieses aber bereits ausgebucht war, wurden wir kurzerhand auf den Boden eines Nachbarhauses ausquartiert. Harter Boden bei 5 Grad. Und dabei hatten wir es noch gut, eine dreiköpfige Reisegruppe aus den Niederlanden musste die Nacht im Speiseraum verbringen! 

Das Gasthaus hatte aber auch viele positive Verkaufsargumente: Die Schüsseldusche, in der der Wasserboiler mit Yakdung aufgeheizt wurde, leckeres Essen mit Yak-Joghurt, und Unmengen anhänglicher kleiner Kinder, die von unserer mitgebrachten Frisbeescheibe ganz hin und weg waren! 

Der Abend endete dann mit einer gemeinsamen Singrunde im Speisesaal, sprich im Schlafzimmer der Niederländer 😊

Strom gab es nur sehr lückenhaft, aber das Dorf ist gerade dabei einen Solarpark zu bauen. Beste Idee!

Das Dorfidyll vor der Kulisse des Bergsees war beinahe nicht von dieser Welt! 


Etappe 5:

Wir überquerten den berühmtberüchtigten Berpass und fuhren nach Karakul, einem großen Bergsee mit Dorf. Der Weg führte uns unter anderem an den höchsten (Straßen-) Punkt der Reise, 4600 Meter über Meeresspiegel. Und zur Freude Caros hat es sogar ein wenig geschneit! Der Wechsel zwischen Schnee, Wolken und Sonne hat die Dramatik der Landschaft noch gesteigert.

Akbar versprach uns, dass wir in dem neuesten Hotel der nächsten Stadt übernachten würden. Was an sich auch stimmte, jedoch war es noch nicht komplett fertig gestellt. Zwar waren alle Räume mit einem elektrischen Heizstrahler ausgestattet, der Strom lief aber nur über einen Generator drei Stunden lang von sieben bis zehn Uhr abends. Also wieder warm anziehen für die Nacht. Dusche gab es nicht, aber quasi eine Saune, die wieder mit Dung beheizt wurde. Das gleichzeitig kochende Wasser konnte man sich mit eiskaltem Seewasser mischen und über sich schütten. Tatsächlich sehr angenehm!

Die Kinder des Dorfes waren alle sehr zutraulich und wollten mit uns reden. Nachdem die sechs Sätze auf tadschikisch und russisch, die wir können, erschöpft waren, beschränkten wir uns auf Klatschspiele und Daumenfangen. 
Akbar taute an seinem letzten Abend mit uns ein wenig auf und spielte sogar ein paar Runden Narda mit, die ich natürlich alle verloren habe. Und wir fanden heraus, dass er den Song "Besame Mucho" mag 😁. 
In dem Hotel stießen wir auf zwei polnische Biker und tatsächlich haben die beiden uns einen lang ersehnten Sticker schenken können! Jeder der was auf sich hält, hat hier wohl Sticker und hinterlässt sie längs seines Weges in Hostels, Restaurants, Tankstellen...

Etappe 6:

Nachdem wir in den letzten Tagen sogar Pakistan in der Ferne sehen konnten, ging es für den letzten Teilabschnitt in Tadschikistan sogar noch an der chinesischen Grenze entlang. 

Nach einer Stunde Fahrt übergab uns Akbar an einen anderen Fahrer, denn es ist tadschikischen Taxifahrern verboten nach Kirgisistan einzureisen. Zwischen den beiden Ländern gibt ein so genanntes "No Man's Land", eine etwa 20km breite, neutrale Zone. Wir mussten die Grenzbeamten bestechen, damit Akbar uns auch wirklich die letzten Meter zu unserem Übergabeort in der neutralen Zone fahren durfte! (Da die 20km zu keinem Land gehören, kümmert sich auch niemand um die Straßen, dementsprechend gings auch mehr in Schlaglöchern als auf Weg dahin).

Wir fuhren also die letzten Kilometer mit Kobalbek, einem Kirgisen, der leider so gut wie überhaupt kein Englisch sprach. Und scheinbar war das seine erste Fahrt, denn er hielt ungefähr alle zwei Kilometer an, um nach den Weg zu fragen. 

Hier sah die Landschaft ganz anders aus, es war sehr grün und längs des Weges hatten viele Kirgisen ihre Jurten aufgestellt und ließen ihre Schaf- und Pferdeherden grasen. 
Mittag setzte uns Kobalbek in einem unscheinbaren Café ab, in dem wir eine Hühnchen-Offenbarung hatten: Anstatt der üblichen Fleischsuppe gab es hier ein halbes Brathähnchen mit Kartoffeln. Himmlisch! Und dazu war hier der erste Ort seit drei Tagen, wo es wieder eine Telefonverbindung gab. Alle nutzten es, checkten schnell mails oder buchten Unterkünfte in Osh. 

Wir fuhren auf immer enger werdenden Wegen mitten in die Berge, durch Bäche und über Wiesen, jeden Schäfer nach dem Weg fragend. Bis wir am Ende des Weges in einem kleinen Jurte-Camp landeten, in dem wir die Nacht verbrachten.
Das Panorama mit dem "Peak Lenin"  und yakbevölkerten Blumenwiesen im Hintergrund war atemberaubend! 

In der großen Essensjurte wurde wieder fleissig mit Yakmist eingeheizt und wir genossen ein leckeres, yakbasiertes Abendessen bei guter Unterhaltung.

Nach den Schüsselduschen der letzten Tage gab es hier gar keine Dusche mehr. Caro freute sich, dass sie die Gelegenheit des letzten warmen Wassers noch fürs Haarewaschen genutzt hatte.

Auch in unseren Schlafjurten wurde ein Ofen angeschürt, so dass wir es zumindest den Großteil der Nacht schön warm hatten. Leider hielt das Feuer in Jo und Sean's Zelt nicht lange, und so war die Nacht für die beiden leider sehr kalt. Sean brauchte den ganzen folgenden Tag, um sich von den Strapazen zu erholen. 


Etappe 7:

Bei fünf Grad über Null starteten wir unsere letzte Fahrt nach Osh, wir wir etwa vier Stunden später bei dankbaren (viel zu warmen) 27 Grad ankamen. Unterwegs überquerten wir den letzten Bergpass und konnten noch einmal viele große Schaf- und Kuhherden bewundern. 

Und so ging unsere Reise durchs wilde Pamirgebirge zu Ende. Und auch wenn jeder Tag ein besonderes Erlebnis brachte, so hatten alle Tage eines gemeinsam: die überwältigende und unglaublich schöne Bergkulisse! 

Impressionen vom Weg: 


Kleine Pause von dem ganzen Abenteuer 

15.6.25

Caro

Nach der Fahrt, dem Geruckel und den harten Betten, den kalten Nächten, keinem Internet und wenig Duschmöglichkeiten haben wir in Osch drei Tage einfach nur gechillt. Ausgiebigst warm geduscht, netflix geschaut und gut gegessen. Wenn man so lange unterwegs ist, haben wir gespürt, dass das zwischendurch immer mal wieder nötig ist. 
Osch ist erstaunlich heiß und es gibt Supermärkte auf Western Standard und ein tolles Kino!  
Ansonsten gibt es eine Lenin-Avenue und gerade keinen Lenin mehr am Stadtplatz. 


Auf dem Rücken der Pferde sitzen wunde Hinterbacken
18.6.25
Caro

Jedes Kind kann hier reiten und Pferde sind überall. Deshalb wollte ich mich durch die kirgisischen Berge auch mit dem Pferd bewegen. Wir haben uns einen Guide gesucht und sind mit ihm und dem Pferdebesitzer drei Tage lange über Berge und durch wunderschöne Täler von Yurtcamp zu Yurtcamp geritten. 
Unser Gepäck haben wir dabei selber getragen (beziehungsweise ja eigentlich auch unser Pferd für uns) und ein Pferd musste das ganze Essen für die Picknicks schleppen.
Unsere Pferde waren sehr treue Traber, ein bisschen kleiner als die Pferde in Texas - und klettern können sie wie Bergziegen! Wir durften ihnen auch Namen geben, weil Kirgisen ihre Pferde nicht benennen: sie sagen einfach nur "das schwarze", " das gescheckte", "das braune".
So taufte Julian sein Pferd "Cappuccino", da es für den kaffeehungrigen Julian aussah wie die perfekte Crema. 
Mein Pferd wurde Adidas, wegen seiner 3 Streifen auf der Seite. Wie wenn es ein Adidas-Shirt aus den 2000ern anhätte.

Unser Guide Zhashtyk sprach ausgezeichnet englisch, kein Wunder, er ist auch Englischlehrer und bessert sich sein Gehalt in  Ferien auf, in dem er Touris durch seine Heimat führt. Er ist ein sehr lieber und naturbegeisterter Mann, der uns viel über kirgisische Traditionen erzählt hat. Und das beste Picknick in der Wildnis vorbereitet, mit frisch zubereitetem Salat und Nachspeisenbüffet. Sogar ein Nutella für schwierige Touris hatte er dabei. Nursu, der horseman, ist ein echter horseman: Lebt sein Leben lang mit und auf Pferden und kennt sie in und auswendig, sonst nicht viel. 
Am ersten Tag ging es gleich mal über hübsch blühende Wiesen bergan und über einen hohen Pass. Die Pferde mussten richtig über Felsen klettern. An einer besonders engen Stelle hoch oben am Hang stiegen wir ab und führten die Tiere. Gott sei Dank, Cappuccino rutschte aus, strampelte wild und konnte sich nur mit Hilfe von Julian, der heftig am Zügel gegenzog, oben halten. Dabei verletzte er sich etwas am Bein und blutete. Nursu hat ihn gleich mit einem Tuch verbunden und es heilte schnell wieder. Adidas war an dem Tag nicht so sportlich unterwegs. Erst wollte er nicht so recht nach oben. Vielleicht weil am Berg eine schwarze Wolke hing und es schon etwas donnerte. Dann wollte er nicht mehr hinunter. Ich glaube er hat ein paar Machtspielchen mit mir gespielt oder er wusste nicht was ich wollte. Hinunter wurde er dann am Strick von Zhashtyk gezogen. Wegen des ankommenden Gewitters ziemlich schnell. Das hat gehoppert und gerüttelt, dass alle meine Knochen im Hintern weh taten und meine Hinterbacken nur noch blaue Flecken sein konnten. 

Physiologisch war das also noch kein Genuss, aber die blühenden Bergwiesen, der unglaubliche Ausblick vom Pass und die Sicht in das idyllische Tal, in das wir ritten, war es absolut wert. 

In der Yurte wurden wir bestens mit Tee und dann beim Dinner verpflegt. Nach dem Dinner wurde der Tisch auf die Seite gestellt, ein paar Decken auf den Boden gelegt und schon war der Schlafplatz fertig. Leider hatte die Yurte keinen Ofen, "weil es hier doch nicht so kalt ist " wie Zhashtyk verwirrt meinte. Naja, mit all unseren Klamotten an und zusammen gekuschelt gings dann schon. Ein größeres Problem war eine Position zu finden, in der man möglichst wenige blaue Flecken am Hintern spürt. 

In der Familie des Yurtcamps lebten gerade noch vier Enkelinnen, die während ihrer Schulferien zur Oma auf "die Alm" geschickt werden. Die zwei älteren Teenies sahen mäßig begeistert aus. Sie verbrachten ihren Abend damit, mit der Oma zusammen vor der Hütte zu sitzen. Ich habe mich dazugesellt und gerätselt bis es zu dunkel dazu war. 
Es gab keine Elektrizität - also ab ins Matratzenlager. 

Sonstige Beschäftigungen in dem Yurt-Dorf: Volleyball spielen, Tiere zusammen suchen, fremde Tiere von den eigenen fern halten. Damit lässt sich viel Zeit verbringen.

Am nächsten Tag ging es lange an einem Bach entlang, gemütlich bergab. Ich gab Adidas ein bisschen deutlicher meine Fersen zu spüren und das was er tat, passte deutlich besser zu dem was ich von ihm wollte. Kaum trieb ich ihn nicht an, sondern schaute mal in die Gegend oder machte ein Bild, merkte er das scheinbar sofort und fing wieder an zu trödeln. Ganz schön fordernd!

Vor dem Mittagessen ritten wir wieder einen Pass hinauf, mitten durch Blumenwiesen, die so gut dufteten. Vorbei an Kuhherden, die von uns völlig unbeeindruckt waren und durch Pferdeherden. Das war etwas völlig anderes. Der Leithengst der Truppe wurde bei uns fremden Pferden scheinbar sehr eifersüchtig und besitzergreifend gegenüber seinen Stuten. Unsere Führer suchten möglichst einen Umweg um die Pferdeherden zu machen oder wenn wir nah vorbei mussten stiegen sie ab, wedelten wild und riefen um die Hengste und ihre Herde zu verscheuchen. Ein Kampf mit anderen Pferden ist wohl der worst case, der horsemen will auf jeden Fall verhindern, dass Bisse und Tritte seine Reitpferde verletzen. 
In einer Wiese mit atemberaubender Aussicht in alle Richtungen machten wir Picknick. Und erholten unsere Hinterbacken ein bisschen, wobei es am zweiten Tag viel viel besser ging und lang nicht mehr so wehtat. Oben am Pass sahen wir schon das grüne Tal mit vielen Yurtcamps und noch mehr Kuh,- Schaf,-und Pferdeherden, in dem wir die nächste Nacht verbringen würden.

Unsere Gastfamilie verköstigte uns auch wieder vorzüglich und ließ uns Kymyz, vergorene Stutenmilch, probieren. Das ist das Traditionsgetränk der Nomaden. Es schmeckte ein bisschen wie gekipptes saures Bier mit Milch gemischt. Zhashtyk erzählte uns von der Tradition, dass sich alle Männer eines Yurtdorfes treffen, im Kreis setzen und große Schüsseln mit Kymyz rum geben. Wer als erstes kotzen muss hat verloren und muss ein Schaf fürs Dinner spendieren. Klingt irgendwie herrlich bayerisch!

Kymyz ist ziemlich teuer, vielleicht weil der Herstellungsprozess so schwierig ist.
Dazu muss erst einmal eine Ziegenhaut ausgeräuchert werden. Das passiert in so lustigen kleinen Feuerchen, die aussehen wie der sprechende Hut, der dampft. Wenn die Ziegenhaut ganz schwarz ist, kommt die gemolkene Stutenmilch da rein und wird aufgehängt damit es fröhlich vor sich hin fermentieren kann. Zhashtyk meinte, ihm schmeckt es am ersten oder zweiten Tag am besten, dann ist es noch nicht ganz so sauer und hat nicht so viel Alkoholgehalt. Bis es verpackt, im nächsten Dorf verkauft, in die Stadt gebracht und im Restaurant verkauft wird vergehen 5 bis 6 Tage und dann ist es so sauer und stark, dass das mit dem kotzen nicht so lange dauern würde. Wie beim Äpplwoi nehm ich mal an. 

Neben dem Getränk wird aus der Milch auch eine Art Rahmcreme gemacht, in die das Brot getaucht wird, und Yoghurt. Das ist sehr lecker! Dazu wird die frisch gemolkene Stutenmilch angewärmt und dann in einem witzigen mechanischen Gerät, das man kurbeln muss zu dünner Milch und Rahm getrennt. Die dünne Milch kommt in einen Sack zu Yogurt dazu und wird aufgehängt und von den Bakterien auch zu Yogurt gemacht. Wie erfinderisch man wird und mit wie wenigen Mitteln hier alles selbst gemacht wird. Für uns, die wir sogar fürs Brot schneiden eine Maschine brauchen, einfach erstaunlich. 
Auch diese Yurte verwandelte sich wieder von einem Esszimmer zum Schlafzimmer und sie hatte sogar einen Ofen. Was für ein Segen! Und eine Solarlampe. In deren Schein hat uns Zhashtyk ein witziges russisches Kartenspiel beigebracht, bei dem der Verlierer der Dumme,  "durak" ist.

Und beim Blick aus der Tür sah man Pferde vorbeigaloppieren und Kälber rumtollen. Reinstes Idyll. Für unsere Guides nicht so. Da in dem Tal sehr viele Pferdeherden und damit viele Machohengste unterwegs waren, brachten sie unsere Reitpferde etwas weiter weg unter. Und sie übernachteten in einem Zelt daneben und hielten abwechselnd Wache um andere Hengste zu vertreiben. Das ist das Cowboy-mäßigste was ich je erlebt habe! 

Der Sonnenschein hat uns aufgeweckt und unsere Hintern waren nach dem guten Schlaf wieder in besserem Zustand. Heute ging es mit unseren Pferden wieder bergab und am Bach entlang. Nochmal hatten wir idyllische Aussichten und kamen an ein paar Locals und Dörfern vorbei. Es machte mir richtig Spaß, vor allem, da ich heute das Gefühl hatte, Adidas einigermaßen unter Kontrolle zu haben. Es ist zwar anstrengend ständig die Oberhand zu behalten, dafür haben wir ein paar hübsche Trabeinheiten geschafft und ich konnte ihn dazu bringen weitere Schritte zu machen und nicht so viel zu tänzeln, wobei es alle Knochen durchschüttelte. 

Nach einem kleinen Picknick kamen wir bald schon an der Hauptstraße unten an. Da wartete ein Anhänger auf unsere Pferde. Sie sahen nicht so aus, als würde ihnen der Abschied schwer fallen. Zu viele Touris, die sie schon geschleppt haben. Aber sie wirkten ganz zufrieden und als freuten sie sich auf ihren Feierabend. Den haben sie auch verdient, sie haben uns über wirklich hohe Berge getragen und alles ohne Zicken von uns ertragen. Ein sehr sehr toller Treck durch unglaublich schöne Berglandschaften! Drei Tage waren auch perfekt. Ohne Duschen kann ich es kaum länger aushalten und mein Hintern freut sich jetzt über eine Pause.

Nachtrag Julian: Wir haben auch etwas über den kirgisischen, wohl bescheuertsten Sport erfahren, den man zu Pferd ausübt: beim "Kök-Börü" versuchen zwei Teams auf Pferden, einen Ziegenkadaver in einer Art Brunnen zu werfen. Klingt erfunden, ist aber wahr, schau mal:


Reiseramsch 

Tadschikistan und Kirgisistan 


20.6.25

Julian:

- während wir hier im Flughafen Osch auf unseren Flug nach Kasachstan warten, trage ich mal die wundersamen Dinge und Gebräuche unserer vorherigen Stans zusammen:

- die Walnuss wird in Tadschikistan "Jor Mas" genannt, was sich in "vier Gehirne" übersetzt 

- wenn man hier eine Kanne Tee vorgesetzt bekommt, schüttet man die ersten beiden Tassen zurück in die Kanne, um den Tee besser zu durchmischen

- Im Supermarkt werden Waren nich horizontal, sondern vertikal sortiert, etwa so:

- Taxifahrer haben hier überhaupt keine Ahnung! Selbst wenn man zur größten Sehenswürdigkeit der Stadt möchte, finden sie von alleine nicht hin. Gleichzeitig sind sie zu stolz um ein Navi zu benutzen, rufen Verwandte und Bekannte an, lassen sich von denen durch die Stadt lotsen oder fragen dutzende Male nach dem Weg...

- Männer tragen ihre gemeinsame Freundschaft zur Schau, indem einer die Hand auf die von ihm angewandte Schulter des anderen legt - die Körper an sich halten dabei aber immer gebührenden Abstand voneinander, was dem ganzen eine seltsame Wirkung verleiht... 

- Stadtparks und Grünflächen werden hier mit langen, schwarzen Schläuchen bewässert, die überall durch die Stadt verlaufen. Dabei ist es anscheinend völlig gebräuchlich, dass man einen Schlauch vom Boden aufhebt und damit seinen Durst löscht. Sehr praktisch! 

- In Kirgisistan gibt es zwei Arten von Autos, einmal mit dem Lenker auf der linken Seite und einmal auf der rechten! Beide Modelle sind hier gleichermaßen in Gebrauch, wobei scheinbar im nächstem Jahr die "Rechtslenker" verboten werden sollen... 


Monumentale Monumente 

und der "Fake Donald's" 


22.6.25

Julian :

- Da wir nur für insgesamt vier Tage in Almaty und damit in Kasachstan sein werden, werden sich unsere kulturell tiefgreifenden Erfahrungen vermutlich in Grenzen halten. Was Caro und mir hier aber schon sehr stark aufgefallen ist, sind die vielen, extrem nationalistisch-kommunistischen Statuen, die hier gefühlt an jeder Straßenecke stehen:

Hauptsache groß, mit kantigen, heroischen Soldaten (und Soldatinnen) und jeder Menge Sterne auf Helmen und Kappen!

Passenderweise war an dem Tag, als wir all diese Statuen in der Stadt erkundet haben, gerade Abschlussfeier der Militärakademie, und es waren viele junge Männer in Uniform zu sehen. Die Damen haben sich auch schön gemacht zur Feier des Tages - und zwar in ihren Brautkleidern! Anscheinend ist es hier Sitte, dass man zu bestimmten Anlässen das schönste Kleid anzieht das man hat - und das ist bei Ehefrauen nunmal das Brautkleid 😊

Unser Tagesausflug führte uns außerdem ins "Museum für traditionelle Instrumente" - für uns natürlich besonders spannend! Es gab viele besondere Instrumente zu sehen, bei denen man auch immer gleich die Verwandtschaft zu einem deutschen Counterpart herstellen konnte. Eins meiner Highlights: ein paar Pferdehufe, die als Perkussionsinstrument aneinander geschlagen werden. 

Tatsächlich war es für uns aber auch erfrischend, dass Kasachstan nach all den Ländern zuvor anscheinend wieder so westlich geprägt ist, dass es Burger King und McDonalds gibt:

Tja, wahrscheinlich seid auch ihr bei diesem Foto erstmal stutzig geworden. Mein erster Gedanke war, dass jemand bewusst wollte, dass sein Burgerladen wie ein McDonald's aussieht. Aber dafür ist die Ähnlichkeit schon verdammt groß, alle Schriftzüge passen, die Architektur, das "goldene M"... höchst verdächtig. Zweite Theorie: Es verhält sich hier genauso wie in Australien, wo Burger King wegen eines Urheberrechtsstreits "Hungry Jack's" heisst. Eine schnelle Recherche zeigt aber, dass sich McDonalds nach dem Einmarsch Russlands in die Ukraine aus vielen Ländern zurückgezogen hat, inklusive Kasachstan. Ja was ist es denn nun? Hat eine Burgerkette einfach das Haus und das Equipment aufgekauft?

Die Neugier packt uns und wir gehen rein. Und tatsächlich: alles heißt zwar anders, aber es sind ganz eindeutig alle Burger von McDonald's, der Big Mac, Der Royal TS... alle sind da. Unsere derzeitige These: McDonald's hat sich aus PR technischen Gründen zwar aus Kasachstan zurück gezogen, führt seine Geschäfte aber unter falschem Namen weiter. 

Einen Unterschied gibt es jedoch: bei den Bestellterminals, wo man sein Essen an einem Bildschirm auswählt, muss man bei jedem Item jede einzelne Zutat extra auswählen. Ich musste das auf die harte Tour lernen, als ich bei meinem Burger einfach wild auf die kyrillisches Wörter geklickt hab und das dabei rauskam:

Kein Fleisch, keine Soße
Kein Fleisch, keine Soße
a propos Westlicher: man hat das Gefühl jeder hier möchte wie ein Europäer oder Amerikaner leben: schicke Coffeeshops überall nach dem Vorbild von Starbucks (den es hier auch gibt) und Einkaufszentren en masse, in denen es von adidas, Zara, Mango, Boss etc. nur so wimmelt. Überraschend, ich dachte die Verbindungen zu Russland wären hier irgendwie deutlicher. 


Kultur und so

24.5.25

Caro:

Man könnte fast den Eindruck bekommen, wir haben in Kasachstan nicht mehr gemacht als essen zu gehen. Was nur fast stimmt! Ich war auch im Konzert! Ich habe auf einem Plakat gesehen, dass ein Konzert gegeben wird, mit Schostakowitschs fünfter Sinfonie. Da war ich super neugierig und wollte mir nicht die Chance entgehen lassen, das Werk mal von einem "sowjetischen" Orchester zu hören. Und ich wurde positivst überrascht: hervorragendes Orchester, aber am meisten beeindruckt hat mich die klangliche Balance in der unglaublich guten Akustik.  

Das Konzert war tatsächlich ausverkauft. Und es war an jedem Tag der Woche etwas in dem Konzertsaal der Symphonie geboten. Daneben gab es noch die Nationaloper in Almaty, ein nagelneues modernes Konzerthaus für Ballett und ein Saal für Volksmusik. Kultur lebt hier anscheinend. 

Deutlich anders als in den anderen Stan-Ländern. In Taschkent waren wir im Ballett, die einzige Veranstaltung, die in der Woche stattfand. In Samarkand gabs eine Riesenoper, aber da fand nur hin und wieder eine Touri-Volksmusikshow statt. An der Oper in Dushanbe hing im Juni noch der Mai-Spielplan mit seinen 4 Veranstaltungen.
Und jetzt kommt meine steile These dazu: Das liegt nicht an der geographischen Lage, an der Infrastruktur (riesige Opernhäuser sind aus der sowjetischen Zeit überall vorhanden) oder an der andersartigen Volksmusik. Die ist in Usbekistan und Kirgisistan sehr ähnlich zu Kasachstan. Ich behaupte, das liegt an der mehrheitlichen Religion, die in Kasachstan das orthodoxe Christentum ist. Ich glaube das fördert das Verständnis für klassische Musik, die Bedeutung von Musik als ästhetische Kultur und dass man das gemeinsam öffentlich genießen kann. 
In allen Konzerthäusern zum Beispiel habe ich quasi keine Frauen mit Hijab gesehen. 
Im Hinblick auf die Musikkultur habe ich eine deutliche Nähe zu Russland gespürt. 
Weitere Kulturnotizen:

Die Architektur ist sehr sowjetisch-praktisch, ein paar alte Holzhäuser sind auch zu finden. 
Zumindest hier im Süden in Almaty war die Bevölkerung hauptsächlich asiatisch-mongolisch. Tatsächlich sehr ähnlich zu Kirgisistan. Ausser, dass deutlich mehr Knie zu sehen war: Hier tragen auch Frauen wieder kurze Hosen. Am ersten Tag kurz ungewohnt, aber jetzt irgendwie ein schönes Bild, dass ich mal wieder modischere Menschen sehe!