Raja Ampat / Indonesien


Der
steinige Weg ins Paradies 

19.2.25

Julian:


Mein Hausarzt in Pfaffenhofen hatte mir, als ich zum Impfgespräch da war, Raja Ampat als tollen Tauch-Spot empfohlen. "Man kommt ein bisschen schwer hin, aber es lohnt sich" meinte er damals. Ich glaube, er wusste selbst nicht wie recht er damit hat. 

Wir machen uns von Siem Reap, Kambodscha, auf den Weg nach Sorong, Indonesien. Der Flug ist etwas eigen, wir müssen in Jakarta unser Gepäck extra nochmal holen und neu einchecken, und das um halb zehn abends, haben dafür aber dreieinhalb Stunden Zeit, also kein Problem. 

Der Flug hat vier Stunden Verspätung, Anschluss nach Sorong also verpasst. Auf die Frage, was wir denn um halb zwei Uhr nachts jetzt tun sollen, kommt die Antwort: "Nicht unsere Airline, nicht unser Problem." Wir suchen also selbstständig nach einem Ausweichflug nach Sorong, die gehen aber nur Abends und landen in der Früh. Also den Tag im Airport Hotel vertrödelt und dann in den Flieger, Transfer in Bali. Den dürfen wir auf keinen Fall verpassen, unser Fähr-Transport von Sorong nach Raja Ampat wird nicht auf uns warten, soviel wussten wir bereits. Alles klappt und wir kommen um halb sechs Uhr früh in Sorong an. Wir werden mit ein paar anderen Touristen zum Hafen gefahren, dann die Ansage: "Die Fähre kommt um neun, solange einfach hier warten". Unter den eher betagten Reisegästen bricht Unmut aus, denn es gibt hier weder ein Restaurant noch Sitzgelegenheiten, nur zwei Verkaufsbuden, deren Wasserreinheit man nicht über den Weg traut. Naja. 

Drei Stunden später, wir sitzen in einer leicht überfüllten und nach Schweiß riechenden Fähre, die uns nach Waisei, Raja Ampat bringt. Wiederum drei Stunden später kommen wir an, es geht auf ein Schnellboot, dass uns nach Agusta Island bringt, wo wir untergebracht sind. Das ist eine private Insel auf der es nur das eine Tauchresort gibt. Weitere eineinhalb Stunden wilde See und wir sind da.

Das war der steinige Weg. Und hier kommt das Paradies:

Ähnlich wie damals in Palau erwartet uns weißer Strand, türkis blaues Wasser, Palmen und Sonne - und einer der begehrtesten Tauchplätze im pazifischen Raum. Das Problem, dass ich seit fünf Jahren nicht mehr Tauchen war, ist mit einem Auffrischungstauchgang schnell behoben. ISS WIE RADFAHN!

Und so heißt es seit drei Tagen nun: Tauchen Tauchen Tauchen. Und im Falle von Caro Schnorcheln Schnorcheln Schnorcheln. Hier ein paar Unterwasser-Eindrücke:

Hier gibt es zum einen offenbar die weltweit diverste Korallen-Landschaft, und zum anderen ein paar Unterwasser-Wesen, die es (fast) nur hier zu sehen gibt. Eins dieser Tiere ist das "Pigmy-Seahorse". Mit dem ungeübten Auge quasi unauffindbar, denn die sind nur etwa so groß wie die Hälfte eines kleiner-Finger-Fingernagels, Und sie sind Meister der Tarnung. Der Beweis: auf dem Foto oben, das ich mit "Pigmy-Seepferdchen" unterschrieben habe, sind mindestens sechs Stück abgebildet. Naaaa, findest Du sie alle?

Ich habe auch schon einen "Wobbegong" - Hai gesehen, der wird hier groß beworben. Sieht aus wie ein Hai mit Ästen, etwa so:

Aber nicht nur unter Wasser, auch darüber ist die Landschaft hier atemberaubend schön. Ein klassisches Beispiel ist das Piyanemo - Archipel, das kommt bei Google als Allerserstes, wenn man nach  Raja Ampat sucht.


Die Opfer der Ehefrau Caro

20.2.25

Das erste worüber in dem Resort hier gesprochen wurde, ist natürlich das Tauchen. Und die erste Reaktion als sie gehört hatten, dass ich nicht tauche, war "Was? Was machst du denn dann hier?" Die anderen Leute hier, 3 snobistische Pärchen aus Amerika und eines aus Dänemark, sowie sehr mitteilsame Italiener, die alle in der Rente sind und zuviel Geld haben, konnten sich das gar nicht vorstellen. 
Da hab ich erklärt, dass diese Woche hier Julians Woche ist und ich als liebende Ehefrau natürlich wegen ihm gerne mitkomme. Fanden sie sehr großzügig von mir. 
Ja so bin ich, bringe gerne Opfer für meinen lieben Julian;) 

Heute vor dem Tauchtrip haben sie mich wieder ganz mitleidsvoll gefragt, was ich denn den ganzen Tag mache, bis sie wieder zurückkommen vom Trip. Ob ich ein gutes Buch brauche. Ganz generös meinte ich, mir fällt schon was ein. 

Wem bei dem perfekten Pool mit Meerblick, dem Fitnessstudio, der tollen Hütte, bequemen Lounge mit Bücherregal und vor allem dem türkisfarbenen Meer und einer ganzen Insel voll einsamen weißen Sandstrand nichts einfällt, dem ist wahrlich nicht mehr zu helfen. 
Hier bringe ich also mein großes Opfer: 

Der Ort, an dem wir übrigens sind, ist Agusta Island in Raja Ampat. Das ist ein Teil von Indonesien, der den indonesischen Teil von Papua-Neuguinea und die Inseln davor umfasst. 


In der Nacht sind alle Haie grau

22.2.25

Julian:

Heute ist unser letzter Tag hier im Tauchresort, und ich habe mittlerweile 13 Tauchgänge erleben dürfen. Da habe ich natürlich jede Menge schöne Tiere und Korallen gesehen, von kleinen Seepferdchen bis hin zu großen Schildkröten. Vorgestern aber hatten wir einen besonderen Tauchgang, einen "Night-Dive". Manche Fische trauen sich nämlich erst raus wenn es dunkel ist, und einer davon ist nur hier in Raja Ampat zu finden: der so genannte "walking shark". Etwa 40cm lang erinnert er nicht wirklich an einen Hai, aber tatsächlich schwimmt er nur in seltsamen Watschelbewegungen am Meeresgrund entlang, was ihm seinen berühmten Namen eingebracht hat. Wir haben uns also kurz nach Sonnenuntergang auf den Weg gemacht, um den walking shark zu finden. 

Zunächst einmal Besprechung, denn das Tauchen im Dunkeln ist verständlicherweise etwas anders als bei Tageslicht. Alle Unterwasser-Signale werden mit der Taschenlampe gemacht, ohne aber dem Gegenüber direkt in die Augen zu leuchten. Gar nicht so leicht. 

Als wir dann im bzw. unter Wasser waren, hat man gleich den Unterschied gemerkt: Die Dunkelheit, die nur vom Licht der Taschenlampen durchbrochen wurde, hatte etwas geradezu mystisches. Und sogar die Fische schienen sich anders zu verhalten - zumindest die paar wenigen die noch unterwegs waren. 

In diesem schönen Tauchgang habe ich drei Dinge gesehen: den walking shark, einen Katzenhai, der sich nicht recht entscheiden konnte ob er uns fressen soll oder nicht, und einen Einsiedlerkrebs mit einem... Straußenei auf dem Kopf?


Caro:

Sogar von der Meeresoberfläche mit dem Schnorchel hat man wahnsinnig viele Fische und Korallen gesehen. Alles herrlich bunt.  Neben Barracudas, einem Katzenhai, riesigen Schildkröten, Seesterne und allerhand exotischen Tieren fand ich besonders die großen Gruppen an Fischen toll, die in Strudel geschwommen sind oder die unter dir herschwimmen, dass man das Gefühl hat, ein Teil der Gruppe zu sein.

Reiseramsch Indonesien

25.2.
Julian:

Zu behaupten, dass wir in den letzten zwei Wochen sonderlich tief in die indonesische Kultur eingetaucht sind, wäre eine grobe Übertreibung. Aber ein zwei Besonderheiten sind uns dann doch aufgefallen:

- Es gibt hier sehr viele Katzen mit Stummelschwanz, das ist hier anscheinend eine weit verbreitete Rasse. Schade für die Vierbeiner, den Schwanz bräuchten sie ja eigentlich zum Springen.... 

- die Bordsteine hier sind grob einen halben Meter hoch, da ist nix mit schnell mal mit dem Rad auf den Gehweg brettern! 

- wir haben hier sehr viele Muslime und Christen gesehen, aber es scheint noch eine andere Unterscheidung in der Gesellschaft zu geben: Menschen die gerne beim Essen auf einem Stuhl und welche die gerne auf dem Boden sitzen. In jedem Restaurant gibt es nämlich einen Bereich mit niedrigen Tischen und Sitzpolstern und einen Bereich mit hohen Tischen und Stühlen. 

- jedes Restaurant hat seine Waschbecken direkt im Speiseraum, meist sogar gleich neben dem Eingang. Macht aber auch Sinn, man isst hier sehr viel mit den Händen. Ein beliebtes Gericht hier: Hühnerschenkel mit Reis, Tofu, gerösteten Erdnüssen und Chilisosse.