Brasilien
In 48 Stunden um die halbe Welt
27.2.
Caro
Mittwoch morgens zu indonesischer Zeit ließen wir uns zum kleinen Flughafen in Sorong/Papua bringen, schon ein bisschen flau im Magen ob unser langer Flug klappen würde. Die Reiseplanung von Indonesien nach Brasilien war nicht gerade optimal, aber da wir beide lieber nach Süd-oder Mittelamerika wollten als weitere südostasiatische Länder zu bereisen, nahmen wir das auf uns. Was kostet die Welt!
Per Losverfahren haben wir dann entschieden, dass es nach Brasilien gehen soll. Große Freude bei mir, Rio de Janeiro stand schon immer auf meiner Liste.
Überraschend fit gings nach relativ kurzem Aufenthalt in den nächsten Flieger, 12 Stunden nach Sao Paulo. Wir wurden schon richtig aufgeregt und freuten uns auf Brasilien!
Und dann waren wir wirklich in Rio!
Und sind voller Freude und total erschöpft in unsere bequemen Betten in unserer herrlichen Pension in Santa Teresa gekippt.
So schön wie in Italien
2.3.
Caro
Viel haben wir von der riesigen Stadt noch nicht gesehen, aber was wir gesehen haben war alles herrlich! Wir wohnen in Santa Teresa, einem Viertel auf einem Hügel (obwohl hier alles aus Hügel besteht). Das Viertel erinnert uns ein bisschen an Italien, oder vielleicht auch Spanien, irgendwas mediterranes. Viele enge, steile Kopfsteinpflastergassen und Treppen. Es ist auch sehr grün, überall blühts.
Wir haben auch schon angefangen, uns an den Lebensstil hier zu gewöhnen. Viel trinken, am besten Kokoswasser für die Elektrolyte, Obst und Caipirinha. Den es hier in unendlichen Variationen gibt.
Und natürlich "o my god, never ever ever in your life" (Tip von Julians Sambalehrer, von unserer Gastgeberin und Bekannten) das Handy auf der Straße nutzen. Das ist quasi wie die Einladung, dass es dir geklaut wird. Noch haben wir alle unsere Sachen und in dem Viertel hier gibt es nichts was einen unsicher fühlen lassen würde.
Dum-Bi-Chi-Ki-Dum-Bi-Chi-Ki!
6.3.25
Julian:
Weshalb kommt ein Musiker nach Brasilien? Genau, wegen des Samba! Und damit meine ich nicht die schier überwältigende Menge und Vielfalt an, wie Reinhard Mey es so schön nennt, "Pöter", die man hier zum Karneval bestaunen kann. Nein, ich habe die Gelegenheit genutzt um ein paar Musikstunden zu nehmen.
Einen Lehrer zu finden war erstmal gar nicht so einfach, die meisten Anbieter machen nur feste Zwei-Wochen-Masterclasses im Juli oder August, und ich brauchte ja jemanden für eine Handvoll Privatstunden. Nach ein wenig Recherche bin ich auf die"Fabrika Musikal"gestossen, eine kleine Musikschule, die mir nicht nur einen, sondern gleich drei Musiklehrer zur Verfügung gestellt hat!

Ein sehr netter und lustiger Haufen!
Der Grund, warum ich gleich drei Lehrer gekriegt habe, liegt in der speziellen Lehrmethode, von Cadu eigens entwickelt: der Schüler bekommt zwei Schlagzeuger und einen Pianisten an die Seite, damit er das Gelernte gleich in der Band-Praxis üben kann. Nicht gerade eine didaktische Revolution, aber hier kann man es sich scheinbar leisten, dass drei Lehrer einen Schüler betreuen...
Carnival in Rio de Janeiro
6.3.
Caro
...der beste Carnival der Welt;) Auf jedenfall ein riesiges und lautes Spektakel mit Samba, Caipirinha und viel Haut.
Im Carnival dreht sich alles um den Samba - Musik und Tanz - ob es um die spektakulären Paraden im Sambadrom geht oder die sogenannten Blocos, die Straßenpartys.
Neben den klassischen Schönheiten mit wirklich unglaublichen Körpern, gab es auch durchaus stärkere Sambatänzerinnen. Vielleicht ist das wie beim Bauchtanz, da muss was shaken.
Eine kleine Impression der Paraden gibts im Video.
Die Stimmung ist überall gut und aufgekratzt, alle sind bereit zu tanzen und zu feiern.
Einmal haben wir in der Menge gewartet und dann doch Reißaus genommen, als die Parade kam, da es ein unglaubliches Gedränge war.
An der Copacabana kamen wir an, als das meiste schon vorbei war, da kam die Parade scheints pünktlich. Aber auch so hats Spaß gemacht mit anderen Gutgelaunten zu flanieren und bei den verstreuten Musikern stehenzubleiben und mitzutanzen.
Auf einem Bloco haben wir gewartet, ohne dass überhaupt ein Zug kam, aber es wurde auch so heftig getanzt und wir wurden plötzlich umzingelt von einer brasilianischen Großfamilie, die uns in ihre Mitte aufnahm.
Bei der Bloco das carmelitas waren wir mitten im Geschehen, als die Band sich aufgestellt und losgelegt hat. Das hat unsere Trommelfelle rausgeblasen. Und danach war man nicht nur im eigenen Schweiß gebadet, sondern in dem von allen Umstehenden auch;). Bei der Straßenparty, die im Viertel des Karmeliterklosters stattfindet sind alle Beteiligten als Nonnen kostümiert, damit die wirklichen Nonnen sich unbemerkt zum Carnival feiern dazuschleichen können;)
Die beste Parade war die auf der Straße vor unserer Unterkunft, zu der wir ohne Platzangst im Pool getanzt haben.
Unter den Armen Cristos
11.3.
Caro
Nach dem Carnavaltrubel sind wir jetzt auch ein bisschen zum sightseeing gekommen. Als erstes sind wir in eine kleine Zahnradahn gestiegen und hoch zum "Cristo Redentor" gefahren.
Das witzige ist: wenn man da oben ist, hat man eine ziemlich schlechte Sicht auf den Cristo. Aber runtergucken kann man schön. Und allein die Größe von der Statue ist unglaublich, wenn man da drunter steht. Uns ist aufgefallen, dass sein Gewand nicht mehr so blütenweiß frisch gewaschen aussieht, wie auf den älteren Bildern, die man kennt;)
Sonst gibt es noch ein paar hübsche Kolonialzeitbauten wie das Theater, gemischt mit viel Plattenbau.
Unsere Lieblingsbewegung: der eine muss unter den gespreizten Füßen des anderen durchkriechen, Beine zuerst...
Para mi, Paraty
Julian:
- Nach den anstrengenden Karnevalstagen in der Großstadt zog es uns mal für ein paar Tage aufs Land hinaus. Wir hatten in Paraty, einem kleinen idyllischen Örtchen etwa fünf Stunden von Rio entfernt, eigentlich schon zwei Workaways angefragt, bekamen aber, ganz brasilianisch, erst drei Wochen später Antwort - leider zu spät. Wir sind also als ganz normale Touristen nach Paraty gefahren.
Das Girl von Ipanema (und der Copacabana)
16.3.25/18.3.25
Caro
Wir sind wieder zurück in Rio und diesmal sind wir in einem Airbnb in einem Wohnblock direkt an der Copacabana abgestiegen. Mitten in der Millionenstadt, ein paar Meter vom Strand und trotzdem haben wir vom Esstisch einen Ausblick auf den Dschungel. Verrückt oder?
Hier kann man Tage verbringen ohne aufzustehen weil fleißige Dienstleister dir alles bringen was man brauchen könnte: sie stellen dir Liegen und Schirm bereit, bringen Cocktails, Snacks-frisch vor dir gegrillt, der Masseur und der Friseur kommt vorbei, auch shoppen kann man im liegen erledigen. Und dabei gibt es so viel zu beobachten. All die Körper, die so sorgfältig gestählt werden, die neuen Bikinis, die vorgeführt werden, Sportler, die ihr Können zeigen. So kann man schon mal seine Tage verbringen...
Wir hatten zuvor gewettet wie oft wir das "Girl von Ipanema " hören würden - abhesehen von unserem Gesumme tatsächlich kein einziges Mal! Enttäuschend;)
Reiseramsch Brasilien
19.3.25
Julian:
So schön die Zeit in Brasilien auch war, so sehr freue ich mich darauf in Kuwait zur Abwechslung mal wieder ein bisschen weniger fremde Haut zu sehen. Vorher aber noch unseren brasilianischen Reiseramsch:
- die Wochentage werden hier nicht mit Wörtern wie Montag, Dienstag etc. benannt, sondern durchnummeriert, der Erste der Woche, der Zweite der Woche...
- Schaufensterpuppen gibt es hier, erstaunlich realistisch, auch in Plusgrössen:
- Am Strand von Copacabana, Ipanema & Co. wird selbstverständlich auch sehr viel Sport gemacht. Zu den beliebtesten Sportarten gehört dabei überraschenderweise nicht Volleyball, sondern a) Beachtennis (spielt man mit Holzschlägern über ein Badmintonnetz) und Foot Volley, also Volley-Fußball. Die Regeln sind, soweit wir das beurteilen können, die gleichen wie beim Volleyball, nur dass man den Ball eben nicht mit den Händen bedient, sondern mit Fuß, Kopf und Schulter. Sieht an sich ganz cool aus!
- Caipirinha gabs ab 1,50 €, und in allen möglichen Sorten, mit Ananas, Mango, Limone und mit verschiedenen Cachacas.
