Tango, Touris, Fußball
Caro:
Wir waren nicht faul in den letzten Tagen und haben einiges erlebt.
Natürlich waren wir auch erst mal auf einer Stadtführung, auf einer free tour, bei der man am Ende so viel zahlen kann wie man es für Wert erachtet. Unser Führer war sehr leidenschaftlich dabei, besonders, wenn es um Wirtschaft oder Politik ging, war er nicht mehr zu stoppen. Wir wissen jetzt einiges über schlechte Regierungen der letzten Jahre und über die Inflation, die vor einigen Jahren scheints so krass war, dass die Sachen im Supermarkt während der Wartezeit an der Kasse schon wieder teurer geworden sind.
Auch den sehr hübschen Friedhof Recoleta haben wir bestaunt, das erinnert fast ein bisschen an eine Ferienhaussiedlung für Tote. Die Reichen haben sich natürlich die größten Mausoleen hingebaut.
Das Viertel San Telmo ist das historisch älteste, heute sieht man da noch tolle Architektur, große Häuser, die von den Reichen während einer Gelbfieberepidemie verlassen worden sind und dann von vielen Familien bevölkert wurden. Heute ist in jedem zweiten Haus ein Antiquitätengeschäft, weil ältestes Viertel, da muss man als Touri Antiquitäten kaufen, ist doch klar.
In La Boca ist auch das riesige Stadion der Boca Juniors, ganz in Blau und Gold, wie auch die ganze Umgebung außen rum. Gestern wollten wir auch das mit Spannung erwartete Derby der Boccas gegen River Plate anschauen, die andere Mannschaft aus Buenos Aires, es geht um das Finale des Südamerika-Cups. Es wurde aber auf heute verschoben, wegen des starken Gewitters gestern. Wir sind schon sehr gespannt!
Da also kein Fussball war, konnten wir uns ganz dem Tango widmen. Gespannt, voll Vorfreude und auch ein bisschen nervös gings zu meiner ersten Milonga. Die Location mit dem großartigen Namen "Catedral de Tango" war sehr cool. Nicht so hochherrschaftich wie man sich alles im Zusammenhang mit Tango vorstellt, sondern ein altes Fabrikgebäude , das aussieht als hätten halt ein paar Leute mal angefangen, da etwas Platz zum Tanzen zu schaffen. Ich fands sehr charmant. Zu Beginn konnten wir sogar noch ein kleines Tango-Konzert hören von einer jungen Band. Haben wir uns schon gut eingegroovt. Wir waren natürlich hoffnungslos zu früh, als wir um elf da aufgetaucht sind. Ab halb eins war die Tanzfläche dann auch gut gefüll mit Paaren, die durch den Raum geschwebt sind. Es waren viele Anfänger dabei, aber bei einigen Paaren hat es schon sehr viel Spaß gemacht zuzusehen, wie sie da so schwerelos dahingleiten und mit ihren Füßen umeinandergleiten und scheinbar fangerlens spielen. Wir haben uns auch auf das Parkett gewagt und es hat schon großen Spaß gemacht, mit den anderen zusammen dahinschwofen zu können und sich nicht nur auf die Schritte zu konzentrieren wie in den Tanzstunden.
Und noch zwei Randnotizen, die Julian stolz herausgefunden hat:
- Der Singvogel, der so schön trällert vor unserem Fenster, ist eine Rotbauchdrossel (zorzas colorado), wir haben auch in einem Park eine gesehen, die war so riesig und fett, die konnte sich nur mit Mühe und viel Getrippel von Ast zu Ast bewegen.
- und das Wort für Ehefrau: "espinosa" bedeutet im Plural auch Handschellen. (Alle Männer dürfen jetzt kurz lachen)