Saved by music

Gestern ging es nach Mbale, meinem eigentlichen Bestimmungsort hier in Uganda. Das liegt etwa sechs Autostunden von meiner Lodge in Kampala entfernt. Weil das Bus fahren hier so anstrengend ist, hat mich Freddie, mein Gastgeber in Mbale, extra mit dem Auto abgeholt. Er ist an dem Tag also, Stau mit eingerechnet, etwa 13 Stunden Auto gefahren! Und das nicht über glatt geteerte Autobahnen, sondern über Schotterstraßen, mit Hügel in der Fahrbahn so groß, dass das Auto mehrfach aufgesessen ist. Einmal musste ich sogar aussteigen, weil wir sonst nicht drüber gekommen wären!
Auf der Fahrt haben wir nur einmal angehalten, um uns einen kleinen Snack zu holen, Hühnerschenkel am Spieß. Dafür gibt es bestimmte Stellen auf der Strecke, an der mehrere Menschen mit Hühnerspieß-Sträußen warten und sofort angespurtet kommen, wenn ein Auto anhält. Folglich hatte ich, als wir da ankamen, zwei Sekunden später zehn Hühnerbeine im Gesicht, begleitet von einem Chor von "Here, Boss, Buy, Boss, Sir, Chicken, Boss, very cheap, Hey, Sir, Boss..." Echt ein bisschen viel Aufmerksamkeit auf einmal...
In Mbale angekommen wurde ich erst einmal in meine Unterkunft gebracht. Ich wohne für die nächsten zwei Wochen bei Derick und seinen zwei Brüdern im "Haus":
Zum Abendessen gab es gleich eine ugandische Delikatesse: "Roll-Eggs". Ich dachte beim ersten Mal, dass die mir ein Uhrenimitat verkaufen wollen; aber es stellte sich heraus, dass es sich dabei um zwei bis drei Lagen Pfannkuchen handelt, in die Gemüse und zwei Spiegeleier eingerollt werden - gerollte Eier also. Leeecker. Gabs zum Frühstück gleich noch einmal!
Heute besuchte ich dann meine Arbeitsstätte für die nächsten zwei Wochen. Als Caro nämlich mein nächstes Reiseziel geplant hat, hatte sie offenbar Sorge, dass ich mich langweilen würde. Also hat sie mich kurzerhand bei einem Projekt namens "Saved by music" angemeldet. Das Projekt holt Kinder von der Straße, bezahlt ihre Schulgebühren, gibt ihnen Essen und bildet sie musikalisch aus. Der Gründer, Freddie, ist offenbar selbst durch ein mäzenermöglichtes Musikstipendium von der Straße weg gekommen, und jetzt will er anderen Kindern die gleiche Chance bieten.
Ich wurde von Anfang an von allen etwa 40 Kindern fröhlich und ohne Berührungsängste empfangen. Es gab zwar schonmal einen deutschen Julian hier, aber die Nicht-Afrikaner werden hier sowieo alle "Muzungu" genannt - also gehe ich davon aus, dass das mein neuer Name wird hier. Ich hab erstmal ein bisschen bei der Probe zugesehen, morgen muss ich selber ran. Bei den gut gelaunten Kids freu ich mich aber schon total drauf!