Ich träum sogar schon vom Tango!

23.11.2018

Caro

Wir waren nun schon auf einigen Milongas und Practicas (das sind Milongas zum üben). Auf einer haben wir gleich zwei live Bands gehört. Sie waren jeweils zu sechst und es haben gleich zwei Bandoneons mitgespielt. Das sieht richtig cool aus, wie die Bandoneonspieler da sitzen, mit dem Instrument auf einem Knie und dann im Takt mitwippen. Julian hat das so beeindruckt, dass er sich das gleich einmal näher angucken wollte. Da trifft es sich gut, dass unser jetziger Host auch Musiker ist, er spielt Gitarre und hat früher in einer Tangoband gespielt und er hat uns gleich an seinen Bandoneonkollegen weiterverwiesen. Sehr cool!

Die Musik ist bei den Milongas ungefähr genauso wichtig wie das Tanzen. Das finde ich natürlich toll, dass die Musiker hier so wertgeschätzt werden.

Auf der Practica war es etwas enttäuschend, da haben die Pros scheinbar ihre neuesten komplizierten Tricks ausprobieren wollen. Da waren wir ein bisschen fehl am Platze. Dann bekommt man von seinem Tanzpartner schon mal ein Schnauben und wird auf der Tanzfläche nach dem allerersten Tanz stehen gelassen und man kann sich in Schande davon stehlen. Normalerweise wird immer ein Set aus 5-6 kurzen Stücken mit der/m Gleichen getanzt.

Gestern haben wir es nocheinmal auf einer Practica probiert, da ging das schon viel besser. Die älteren Herrn freuen sich meistens auch, mir ein bisschen was Neues zu zeigen. Es gibt scheinbar auch verschiedene Stile: z.B. den Tango mit ganz viel Drehen und Rumgeschwinge der Beine, der Milonga-Stil, mein Favorit, da spaziert man so entspannt und rhythmisch entlang, und den "Walzer", Tango im 3/4-Takt. Das hört sich fancy an, aber das geht erstaunlich gut.

Das "Auffordern" ist übrigens auch einigermaßen komplex, das funktioniert über Blickkontakt. Eine Frau, die tanzen möchte, guckt die Männer an. Ein Mann, der mit ihr tanzen möchte, guckt zurück. Man könnte auch sagen, sie starren sich an. Wenn eine Frau mit diesem Mann tanzen möchte, der sie ansieht, dann nickt sie gnädig. Der Mann nickt zurück und kommt sie abholen, oder sie stellt sich schon mal an den Tanzrand und er holt sie dort ab. Hört sich komisch an, funktioniert aber wirklich, hab ich schon getestet. Man fühlt sich etwas komisch, wenn man jemanden anstarrt und darauf hofft mit seinen Blicken jemanden zu etwas zu zwingen. Aber da wird man scheinbar zum Yedi und die Männer folgen den Blicken willenlos. Wenn man mit einem Mann, der zurückguckt übrigens nicht tanzen möchte, sieht man einfach zu Boden und schon ist das magische Band der Blicke gebrochen und er traut sich nicht mehr und läuft wie schon immer so geplant tüdldü an dir vorbei. Eine Milonga ist wie ein Zauberland;)

Daneben gehen wir natürlich auch fast täglich in den Unterricht und lernen fleißig und lassen uns heftig kritisieren.

Gestern haben wir uns dann auch mit Sebastians Bandoneon-Kollegen Matthias getroffen und Julian hat eine Stunde bekommen. Er hat erst erklärt, wie das so funktioniert. Am Schluss der Stunde konnte Julian schon ein kleines Stück spielen. Das Komplizierte daran ist, dass die Knöpfe an der Seite, mit denen man die Töne spielt, in keiner ersichtlichen Reihenfolge angeordnet sind. Das muss man einfach ganz von vorn auswendig lernen. Und dann kommt auch noch hinzu, dass man beim Auseinander- und beim Zusammendrücken verschiedene Knöpfe für den gleichen Ton drücken muss. Kompliziert! Und beim Tangospielen muss man dann auch noch die Artikulation beachten und eben so mit dem Fuß stampfen, damit man ein gutes Marcato hinbekommt. War sehr interessant!

(Sebastian, unser Host, hat übrigens erwähnt, dass Bandoneon von Band-on-one kommt, also praktisch Ein-Mann-Band, stimmt zwar glaub ich nicht, aber ich finde den Gedanken sehr nett!)

Am Montag war hier in Argentinien ein Feiertag, wie wir herausgefunden haben, da die Geschäfte und sogar die meisten Cafes und Restaurants geschlossen hatten. Es wurde der Tag der nationalen Souveränität gefeiert, und das Interessante daran ist, der ist erst von der letzten Regierung eingeführt worden, den gibts also erst seit ca. 5 Jahren. War wohl so ein Mittel, das Volk gefügig zu machen, nach dem Motto "Brot und Spiele" meinte Sebastian. Ein kleines Beispiel der kuriosen und katastrophalen Regierungsführungen hier. An dem Tag waren wir auf dem Plaza de congresso, (und es war richtig richtig heiß, 37 Grad, ich bin geschmolzen) und da hat sich scheinbar auch ganz Buenos Aires getroffen. Familien, Freunde, Pärchen, es wurde überall Fussball gespielt, Musik gemacht und Mate getrunken. Mate trinkt man hier so zum sozialen Zusammenkommen. Da ist der Mate-Tee in dem Becher und das wird immer wieder mit heißem Wasser aufgegossen und durch einen speziellen Strohhalm getrunken. Einer ist dabei verantwortlich für den Mate, der gießt auf und reicht rum. Wer schon mal Club Mate bei uns getrunken hat, der hat eine Idee wie das schmeckt, nur dass es noch viel bitterer und intensiver ist.

Andere typische Sachen zum Essen sind die Empanadas, Teigtaschen gefüllt mit Fleisch oder allem möglichen. Oder Medialunas. Das sind winzige Croissants, die bekommt man echt überall und zu jeder Tages- und Nachtzeit. In den Cafes wird ein Cafe con leche auch immer mit 2-3 medialunas angeboten. Wenn man nur Cafe will, muss man oft sagen, solo, also ohne medialunas dazu. Ich bin natürlich ein Fan von und ess Frühstück schon wie ein echter Argentinier: Cafe con leche, jugo de naranja und medialunas. (Nur nehm ich auch noch mermelada dazu). Süßes essen die Argentinier richtig gerne, die ganzen Torten, die es hier gibt, Oh mein Gott.

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