Der wilde Südostasien - Westen

Seit zwei Tagen bin ich nun schon auf der Insel Samui unterwegs. Gehört habe ich von dieser Insel zum ersten Mal in dem Film "Meine Braut, ihr Vater und ich". Damals wusste ich noch nicht einmal, wo das liegt. Als aber dann Sabine und Andreas mir davon erzählt haben, habe ich mich inspirieren lassen und bin auch mal hergekommen. Nicht, ohne ein paar Nerven zu opfern.
Ein Taxifahrer hat mich, wie vorher vereinbart, vom Flughafen abgeholt, um mich zu meinem Gästehaus zu bringen. Ich habe mir im Vorfeld extra eins in Flughafen- und Strandnähe gesucht, damit die Wege schön kurz sind und ich evtl. auskomme ohne mir einen teuren Scooter leihen zu müssen. Nach etwa zehn Minuten fährt der Fahrer an dem Punkt vorbei, an dem laut Google mein Ziel sein soll. Ich spreche ihn darauf an, aber er antwortet lapidar: Nein Nein, ist schon richtig so. Nach nochmal zehn Minuten biegt er in eine kleine, abgelegene Straße ab, und für nochmal zehn Minuten sieht die Fahrt so aus:
Mittlerweile sind wir etwa 20km von der Stecknadel auf meinem Handy entfernt. Ich bereite mich schon seelisch darauf vor, aus dem Auto zu springen und los zu rennen, damit ich nicht überfallen werde. Aber was ist dann mit meinem Gepäck? Soll ich mich wehren? Und wenn er 'ne Waffe hat?
Wir kommen an einem Haus mitten in den Bergen auf der anderen Seite der Insel an. Ein amerikanisch aussehender Azubi begrüßt mich und erklärt mir, dass Google Maps hier nicht gut funktioniert, weil das Adressensystem auf der Insel völlig unübersichtlich ist. Ich bin also am richtigen Ort, nur nicht dort, wo ich eigentlich sein wollte. Aber man kennt ja das Sprichwort: Wenn Gott eine Strand-Tür schließt...

...öffnet er ein Bergblick-Fenster!
Da ich nun natürlich einen Scooter brauche, bin ich gestern einfach mal die Insel abgefahren. Und habe durch einen Tipp den "Secret Buddha Garden" entdeckt, ein sehr idyllisches Stückchen Wald mit Steinstatuen, die im Alter nur interessanter geworden sind:
Die Statuen standen entlang eines Flusses mit Wasserfall, in dem sogar ein Mann gebadet hat. Als ich mit ihm ins Gespräch gekommen bin, hat sich herausgestellt, dass er ein russischer Yogini in einem Studio ganz in der Nähe ist. Ich habe seine Einladung, ihn in seinem Studio zu besuchen, gerne angenommen. Und als er dann auch noch erfuhr, dass ich Musiker bin, hat er kurzerhand zwei Gitarren ausgepackt und wir haben angefangen zu spielen. Aber keine Lagerfeuerlieder, das wäre wahrscheinlich zu wenig "In the moment". Er hat einfach angefangen Akkorde zu klampfen und darüber irgendwelche Texte von Frieden, Glück und dem Leben im Jetzt zu improvisieren. So muss das damals bei den Hippies gewesen sein!

Irgendwie mag ich diesen Schlag von Mensch, die jeden in ihrem Leben willkommen heißen, niemandem etwas Böses wollen und einfach nur tun, was sie glücklich macht. Das ist in vielen Situationen sogar ansteckend!
Heute hatte ich dann ein etwas anderes Tagesprogramm: Ich bin auf einen Schießstand gegangen. In jedem zweiten Polizei- oder Agentenfilm sieht man jemanden auf dem Schießstand trainieren, und wenn er eine menschengroße Scheibe aus fünf Metern Entfernung trifft, sind alle total beeindruckt. Da wollte ich mal sehen, ob das mit dem Schießen wirklich so schwer ist. Zwanzig Schuss später kann ich sagen: Ja, es ist so schwer!
Das größte Problem war nicht einmal das ruhig Zielen, sondern der Rückstoß, der mir den Lauf jedes Mal in eine andere Richtung verzogen hat. Aber wenigstens durfte ich auch ganz Agenten-Style das Magazin auffüllen und lässig einschieben, den Schlitten nach hinten ziehen, das leere Magazin mit einem Knopfdruck aus der Halterung gleiten lassen, Schlitten zurück schnappen lassen...war schon irgendwie cool!
Soviel Testosteron ist bestimmt schlecht für die Gesundheit, deshalb bin ich danach eine Runde Minigolf spielen gegangen. Sozusagen als pazifistische Gegenmaßnahme. Gespielt hab ich nur etwa 15 Minuten, wenn man alleine spielt, ist man überraschend schnell durch den Kurs durch! Ich war aber trotzdem noch etwa drei Stunden dort, weil der Besitzer, ein leicht untersetzter und lichtköpfiger Franzose, mir eine wilde Prostitutions - Story nach der nächsten erzählt hat. So saßen wir da, ich mit meinem Pfirsich - Eistee, er mit einem Glas Whiskey, und er erzählte mir, wie viele der Frauen immer mal wieder bei ihm zuhause vorbeischauen für den Fall, wie er mittlerweile seine "Dates" rein über Augenkontakt ausmacht, dass Ladyboys einem immer gleich sagen womit man es zu tun hat (die "Verwechslung" ist damit also ausgeschlossen), wann am Tag man die besten Preise aushandeln kann...solch ehrliche Erfahrungsberichte bekommt man wirklich nur selten zu hören! Wirklich eine spannende und aufrichtige Unterhaltung, bei der ich alles fragen konnte, was einen als Spießbürger an dem Thema so interessiert.

Francois, der Prosti - Profi