Kenia - Tansania
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Unser herzerwärmender Empfang
in Kenia
16.4.25
Julian:
Bevor ich ein neues Land bereisen, schaue ich immer erst auf der Internetseite des Auswärtigen Amtes nach, ob und was für ein Visum man braucht. Zu Kenia steht da: "Seit der Einführung der elektronischen Reiseerfassung benötigt man als deutscher Reisender KEIN Visum mehr."
Ich bin dieses Mal ausnahmsweise nicht in das Land geflogen, sondern fahre mit Freddi und Vicky von Uganda aus über die Grenze. Freddi hat die letzten drei Tage damit verbracht, alle nötigen Papiere für das Leihauto zusammenzutragen - ist in Kenia wohl alles sehr umständlich.
Wir kommen also an der Grenze an. Vicky erfährt, dass der Impfpass, den sie sich extra für die Reise neu hat machen lassen, gefälscht ist, sie also in Uganda über den Tisch gezogen wurde. Die machen nicht einmal vor ihren Landsleuten Halt... Erstes Bestechungsgeld fällig. Dann erfahre ich, dass ich nun doch ein Visum bräuchte, kostet 100 Dollar. All meine Versuche, die Beamten vom Gegenteil zu überzeugen, fallen auf taube Ohren. Von einem Kenianer erfahre ich kurz darauf, dass das Visum nur 50 kostet, und wenn man's online beantragt hätte 30.
Das Auto wird inspiziert, es gibt Beanstandungen am Heckspoiler und am Motor. Zweimal zehn Euro Schmiergeld. Jetzt aber schnell ins Auto und los, bevor ihnen noch was einfällt!
Mit allen Papieren und Bescheinigungen in der Tasche werden wir nach einer Stunde von einer Polizeistreife rausgewunken. Nachdem ansonsten alles in Ordnung ist, wird der Joker gezogen: wir haben kein Warndreieck dabei. Da Freddi sich weigert Schmiergeld zu bezahlen, erhält er eine ominöse Vorladung vor Gericht und darf angeblich bis zum Gerichtstermin das Land nicht verlassen. Für ein fehlendes Warndreieck. Alles sehr merkwürdig.
Ich buche unsere erste Unterkunft und bezahle, Depp der ich bin, gleich online. Zehn Minuten später die Nachricht, das Zimmer wäre schon vergeben. Geld hab ich bisher noch keines zurück bekommen. Ich buche ein zweites Hotel, dieses Mal mit Bezahlung vor Ort. Wir kommen an und werden von einem Sicherheitsmann begrüßt, der aus allen Wolken fällt und fragt was wir hier machen. Nachdem er sich bei seinem Chef rückversichtert hat dass wir wirklich zwei Zimmer gebucht haben, eröffnet er mir, dass nur noch eines frei ist, es aber noch ein anderes Zimmer gäbe, das richtet er schnell her. Ein Zimmer wurde dann auch hergerichtet, ohne Klobrille, mit einem Moskitonetz, das das Bett nur zu einem Drittel abdeckt, und einer nicht funktionierenden Dusche.
Nächster Morgen, ich denke mir, okay, die billigen Unterkünfte sind anscheinend problematisch hier, ich buche mal was in der Mittelklasse. Sehr schönes Appartment in Nairobi gefunden, die Rezensionen sind alle super, die letzten von vor einem Monat. Wir fahren etwa elf Stunden und kommen abends in Nairobi an - um festzustellen, dass das Hotel vor etwa einem Monat zugemacht hat.
Also, liebes Kenia: Wenn du mein Herz noch erobern willst, musst du dich jetzt dann mal ein bisschen ins Zeug legen!
Die obligatorische Safari und der obligatorische Reiseramsch
20.4.25
Julian :
Frohe Ostern euch allen!
So schnell ist die Zeit in Kenia auch schon wieder vorbei, heute geht es nach Tansania. Wir konnten uns aber bei all den unschönen "menschlichen" Interaktion natürlich nicht die Natur entgehen lassen und sind auf Safari gegangen. Nicht in einem Touri Jeep, sondern in unserem eigenen Leihwagen mit Tour guide auf der Rückbank.
Die Safari dauerte etwa drei Stunden und war vom Spannungsbogen her - vermutlich eher unfreiwillig - gut gemacht: Zu Anfang haben wir die Tiere gesehen, die es hier zuhauf gibt, Antilopen, Paviane und dergleichen. Zwischendrin gabs auch mal eine Giraffe oder eine Büffelherde zu sehen. Doch dann ganz am Ende auf dem Rückweg zum Haupttor, als schon keiner mehr daran geglaubt hatte, saß da am Straßenrand eine Löwendame, ganz entspannt und scheinbar unbeeindruckt von den dreißig Safari-Jeeps, die sich um sie geschart hatten.
- in Kenia ist es verboten, Plastiktüten einzuführen und zu benutzen. Als ich meine Wäsche in so einer Tüte zur Wäscherei bringen wollte, wurde ich mit großen Gesten vom Hotelpersonal zurückgehalten. Steht hier sogar unter Geldstrafe...
- auch verboten: ein schmutziges Auto zu fahren. Ich hab mich schon lange gewundert, warum es hier so viele Autowäschereien gibt!
- in Kenia gibt es, zumindest gefühlt, noch mehr Trick Betrüger als in Uganda. Auf das ein oder andere nicht existierende Hotel bei booking.com sind wir leider auch schon reingefallen. Und dann wollte mir unser Uber Fahrer noch weis machen, dass man hier in Kenia in bar bezahlt - obwohl bei Uber ja alles digital abwickelt wird.
- Apropos Uber: es gibt hier zwei Größen von Taxis, normal größe und in etwa Fiat Punto Größe. Diese Taxis werden dann "Chap Chap" genannt 😁
- Ostafrikaner Antworten oft auf eine Frage mit "it's okay", auch wenn sie eigentlich ihre uneingeschränkte Begeisterung zum Ausdruck bringen wollen. Immer wieder verwirrend für mich, bei mir heisst das eher sowas wie "Naja, wenn du meinst..."
- In Restaurants wird hier erst das Essen bestellt. Ist das Essen dann da, bestellt man die Getränke dazu.
Frühstück auf tanzanisch
23.4.25
Julian:
- daran, dass ich zum Frühstück kein Bircher Müsli und Vollkornbrot bekomme, hab ich mich mittlerweile gewöhnt. Aber es ist dennoch immer wieder spannend zu schmecken, was in anderen Ländern zu welcher Tageszeit gegessen wird. Das hier war mein erstes Frühstück in Tanzania:

Neben einem hart gekochten Ei (das hier übrigens auch Strassenhändler aus großen Plastikeimern zum Snacken verkaufen) und einer "echten" Banane gibt es dann noch eine, ich nenns mal Schmalznudel - ganz ähnlich zu denen, die es bei uns daheim an Kirchweih gibt. Da kam gleich ein bisschen Heimatgefühl auf!
Getrunken wird dazu in der Regel Schwarztee. Diese spezielle Sorte hatte, obwohl angeblich nur Schwarztee im Beutel ist, eine sehr schmackhafte und würzige Ingwernote. Insgesamt ein sehr feines Frühstück!
Beim heutigen Mittagessen habe ich mich von meinen ugandischen Begleitern ein wenig über ostafrikanische Gepflogenheiten aufklären lassen. Zum Beispiel gibt es hier das Sprichwort: "Wer noch nie gereist ist, hält seine Mutter für die beste Köchin". Und auch die Silbe "Eh" hat hier eine sehr prominente Bedeutung, denn man entgegnet in vielen Situationen einfach mit einem hochfrequenten "Eh!". Dass kann dann je nach Betonung und Kontext Verwunderung, Bewunderung, Bedauern, Enttäuschung oder Ärger ausdrücken. Ich werde in den nächsten Tagen mal eine Versuchsreihe starten und auf alles, was mir gesagt wird, einfach mit "Eh!" antworten 😁
Sansibar aus gutem Grund
27.4.25
Julian:
Der gute Grund, nach Sansibar zu reisen, war tatsächlich nicht der berühmte Roman von Alfred Andersch, sondern ein alter deutscher Schlager von Achim Reichel, in dem es heißt: Wenn man mich fragt wo's am schönsten war... Sag ich: Sansibar! " Und da Sansibar zu Tansania gehört und mit einem 20 minütigen Flug einfach zu erreichen ist, wollte ich mir die Gelegenheit nicht entgehen lassen!
Ich dachte im Vorfeld, dass die gesamte Insel eine einzige Touristenfalle sei, mit einem Hotel nach dem Anderen rund um die Strände. Tatsächlich ist es so, dass es nur ganz vereinzelt diese Reisekatalog - Strände gibt, und auch dort sind dann nur eine Hand voll Hotels direkt am Wasser. Der Rest der Insel ist, wie der Rest Tansanias, Slum.
Ich wohne in Stown Town, die historisch bedeutendste Stadt an der Westküste. Die Stadt, wo man nicht wohnt, sondern von seinem Partyort aus Tagesausflüge hin macht 😊. Ich fands aber sehr gut, nicht zu sehr unter Touristen zu sein und bin die meiste Zeit durch die engen, verwinkelten Gässchen der Stadt geschlendert, durch Märkte und Stände hindurch, an Tourifängern, selbsternannten Stadtführern und Prostituierten vorbei.
Morgen geht meine Zeit hier auf Sansibar zu Ende. Und "wenn man mich fragt wos am Schönsten war..."