Kanada
Tour vor der großen Tour
13.8.2024
Caro
Jetzt gehts wirklich los! Die Aufregung steigt. Bei mir vor allem die Aufregung ob die minimale Planung, gerade einmal der erste Flug und die ersten 4 Nächte sind reserviert, ausreichend waren.
Vor der Reise stand noch so vieles an, was mich immer abgelenkt hat, vor allem das Abschied sagen - von den lieben Kollegen und Freunden in Würzburg und Pfaffenhofen, dann natürlich mit feuchtem Augen von meinen liebsten Mitbewohnern, und von unseren Familien. Wir konnten alle unsere Geschwister, Eltern und Angehörigen noch einmal bei mir und bei Julian zu Hause bzw. in einer kleinen Bayerntour besuchen, sogar unsere ganz frisch geschlüpfte Nichte durften wir noch sehen.
Tja, scheiden tut weh, aber die Vorfreude auf die neuen Erfahrungen macht das alles wieder wett ;)
Und deshalb mag ich keine Hunde
14.8.24
Julian:
Die Empfehlung bei Langstreckenflügen lautet ja bekanntlich: zwei Stunden vor Abflug am Flughafen sein. Was machen die deutsche Caro und der deutsche Julian? Sie sind zweieinhalb Stunden vorher da, nur um sicher zu gehen! Und beinahe hätte nich nicht einmal das gereicht: am Schalter diskutierten gerade zwei Damen Mitte dreißig mit jeder Menge Tatoos auf den Armen und Ladybuns mit einer Mitarbeiterin. Es schien sich um das Mordsdrum Dobermann zu handeln, dass die beiden nebst Zwinger im Schlepptau hatten. Eine geschlagene halbe Stunde hat es gedauert, bis die beiden unter großem Applaus der wartenden Passagiere von dannen gezogen sind. Da der zweite Mitarbeiter auch nicht gerade der Schnellste war, hat es sage und schreibe 2:15 Stunden gedauert bis wir unsere Tickets hatten. Wir sprinten los, nur um beinahe durch die falsche Sicherheitskontrollen zu laufen, da die von unserem Gate zu hat. Wir schaffen es nach einem Zwischensprint zum Security Check, zehn Minuten vor Abflug, nur um an die langsamste Rentnerin zu gelangen, die mit einer Seelenruhe Wannenwägen durch die Gegend schiebt, Handys von Laptops herunter nimmt und dann auch sehr freundlich und ausführlich erklärt warum das so sein muss. Nächster Sprint, es ist zwei Minuten nach Abflug, hoffentlich wartet der Flieger auf uns. Wir kommen ans Gate - und da steht bereits ein Flug nach Rhodos dran. Scheisse, haben wir jetzt wirklich wegen dem blöden Köter unseren Flug verpasst? Gott sei Dank nicht, es wurde nur zusätzlich zum ganzen Chaos das Gate geändert.
Endlich sitzen wir im Flieger, wir haben es geschafft! Aber warum fliegen wir nicht? Es sind doch alle da! Natürlich : Die Crew hat Probleme damit den Hund zu verladen, die beiden Frauchen müssen nochmal aussteigen und die Töle beruhigen. Nach einer Stunde kommen die beiden wieder an Bord und werden mit sarkastischem Applaus empfangen. Verspätung mittlerweile 80 Minuten, unsere Umsteigezeit in Island beträgt 75 Minuten...
Wir sprinten in persönlicher Bestzeit in Reykjavik zu unserem nächsten Gate, und wie durch ein Wunder ist der Flieger noch da, mit einer Verspätung von 10 Minuten hat er auf uns gewartet. Caro und ich sind die letzten beiden Passagiere, als der Kontrolleur plötzlich meinte wir müssen ihm Dokumente vorlegen, die beweisen, dass wir genügend Geld und genügend Gründe haben um wieder aus Kanada auszureisen. Caro hatte zufällig ein Foto ihres Arbeitsvertrages auf dem Handy, ich hab Finanzstriptease gemacht und ihm meinen Kontostand gezeigt. Aber das hat dem Herren noch nicht gereicht, auch ich solle beweisen, dass ich in Deutschland eine Arbeit habe. Wie durch ein kleines Wunder stehen hinter mir Schüler aus Pfaffenhofen an, die auch nach Vancouver reisen. Die können für mich bürgen, sage ich. Das ist ja schön und gut sagt der Beamte, aber er will ein Dokument sehen. So hat er uns dann noch weitere zehn Minuten schmoren lassen, bis er sich in göttergleichem Wohlwollen mit meinen letzten drei Gehaltsüberweisungen zufrieden gegeben hat. Halleluja...
Und die Moral von der Geschicht: immer vier Stunden vor Abflug am Flughafen sein und mindestens zwei zusätzliche Alternativflüge buchen 😉

Ankommen am Mussels Beach
18.8.24
Caro
Wir sind jetzt tatsächlich da in Kanada! Nach dem Flug haben wir uns erst einmal einen Mietwagen geholt und sind zu Nic, unserem Host in Vancouver. Er hat schon mal das Klischee bestätigt, dass die Kanadier unglaublich nett und offen sind und uns einen herzlichen Empfang in Kanada bereitet. Am nächsten Morgen gings schon weiter mit der Fähre nach Vancouver Island, wo wir die ersten Tage verbringen wollen. Auf der Insel gibt es einen tollen Nationalpark an der Pazifikküste mit Regenwald und viele Bären. Angeblich! Daumen drücken, dass wir auch einen zu sehen bekommen. Die Küste ist echt herrlich, mit Sandstrand, kleinen Inselchen und alles was man so aus dem Kanadakatalog kennt.
Für die erste Zeit sind wir in einer Hütte am Mussel Beach untergekommen, eine halbe Stunde Autofahrt auf Schotterpisten von jeder Zivilisation entfernt, dort wollen wir erst mal gar nichts tun. Das funktioniert dort auch wunderbar, denn da gibt es nichts. Ausser viel Natur und sehr nette Gastgeber. Man kann Stunden damit zubringen, die Flut kommen und gehen zu sehen. Und dabei Tiere zu schauen. Bisher haben wir Seehund, Adler, Buckelwal, Krabben, Eichhörnchen, Woodpecker und jede Menge Mosquitos gesehen. Leider (oder zum Glück) noch nicht den Bär und den Wolf, die an dem Strand zu Hause sind.
Und offenbar sind die Bären hier sehr hygienisch...
Bären sind Schweine
zumindest was Caro anbelangt. Zu mir waren sie immer sehr nett :).
Caro hatte vermutlich nur eine Sache, die sie in Kanada unbedingt machen wollte:
Bären in freier Natur sehen.
Deshalb hat sie sich wie ein Naturfilmer in unserer Unterkunft am Mussel Beach (wo wir insgesamt vier Tage verbracht haben) jeden Tag mindestens zwei Stunden an den Strand gesetzt, weil es hieß, dass die Bären zur Ebbe dorthin kommen um nach Muscheln zu graben. Die ersten beiden Tage verliefen erfolglos, aber man braucht für diesen Job schließlich auch etwas Geduld. Am dritten Tag fuhren wir nach Caros Morgenwache zum Wandern in die nahegelegenen Urwälder und genossen die Ruhe und die Natur dort. Als wir wieder zurückkamen, fragten uns unsere Gastgeber aufgeregt: "Habt ihr die Bärenmama gesehen, die heute Vormittag mit ihren zwei Jungen hier durchgewandert sind? Die waren soooo süß! Und dann gabs sogar noch Orcas vor der Küste! Caros Mimik verriet mir, dass sie das gar nicht lustig fand, sie hat sich aber nicht beirren lassen und sich am Abend gleich nochmal auf die Lauer gelegt. So auch am nächsten Tag, als ich zu meiner Joggingrunde aufgebrochen bin. Caro war die letzten Male immer mitgelaufen, wollte aber dieses Mal lieber da bleiben und auf Bären hoffen.
Es kam wie es kommen musste: Während meiner Joggingrunde sind mir nicht nur ein, sondern gleich zwei Schwarzbären in etwa vier Metern Entfernung vor die Füße gelaufen! Süß und klein, etwa hüfthoch, haben sie sich schnell aus dem Staub gemacht als ich kam.
Caro hat sich "natürlich für mich gefreut" (supergroße Anführungszeichen), dass ich soviel Glück hatte...



Den Tag darauf haben wir uns aber auf den Weg gemacht nach "Telegraph Cove", einer süßen kleinen Bucht, die so fein herausgeputzt ist, dass man sie für einen Disney-Themenpark halten könnte. Und hier hat Caro für uns eine Ein-Tages-Bärensuch-Safari gebucht, bei der wir mit dem Boot die umliegenden Küsten abgefahren sind um die süßen Teddies zu suchen. Halb sieben gings los, es hat den ganzen Tag geschüttet. Na super, da haben die Bären bestimmt große Lust draußen rumzulatschen.
Nach etwa zwei Stunden Bootsfahrt waren wir im "Suchgebiet" angekommen, und Max und Vanessa, unsere Bärenführer, haben mit zugekniffenen Augen und Ferngläsern die Strände abgesucht. Zwischendrin gabs immer mal wieder Funkverkehr mit den anderen Suchbooten, um sich über Bärenaktivitäten auszutauschen.
Plötzlich wird Max mit unserem Boot langsamer und schaut angestrengt auf den Strand vor uns. Ich sehe rein gar nichts. "Oh look, there's Princess Dirtypants", sagt er plötzlich. Und tatsächlich: Ein hellbrauner "Stein" bewegt sich und fängt an im Strandgeröll nach Muscheln zu graben. Die Grizzlydame, die ihren Spitznamen ihren dunklen Hinterbeinen verdankt, war schon ein echt imposanter Anblick, auch wenn die Fotos und Videos eher amateurhaft geworden sind:
Man konnte auf eindrucksvolle Weise erkennen wie stark diese Grizzlys sind, denn Dirtypants hat die großen Steine, die bestimmt 100-200 Kilo wiegen, locker mit einer Tatze weggeschoben, um an die Muscheln darunter zu gelangen. Bei der Gelegenheit haben wir gelernt, dass die meisten Bären daran sterben, dass ihnen die Zähne ausfallen und sie dann einfach verhungern, weil sie kein festes Futter mehr zu sich nehmen können. Ganz schön fies, ganz oben an der Spitze der Nahrungskette zu sein und dann so zu verenden...
Ein bisschen weiter die Küste runter haben wir dann "Timbles" gesehen, eine Schwarzbärdame, die mit ihren beiden Jungen im Schlepptau unterwegs war. Hier ein Video von den dreien, wie sie gerade den Strand entlang spazieren:
Also: Bären gut, alles gut!
Heute sind wir in Richmond angekommen, einem Vorort von Vancouver. An unserer Unterkunft wurden wir auch von wilden Tieren begrüßt:
Jetzt erstmal die Beine hochlegen, morgen holen wir unseren Camper ab, mit dem wir dann die nächsten zwei Wochen unsere Reise bestreiten werden!
Holidays the Canadian Way
28.8.24
Caro
Für unser 2. Kapitel des Kanada-Aufenthalts bekommen wir Unterstützung: Julians Bruder und Neffe besuchen uns. Jetzt sind wir auch kanadisch unterwegs: im großen Gefährt, mit großem Kaffee und mit "Great Outdoors-Abenteuern".
Als wir den Camper abgeholt haben, waren wir kurz etwas überfordert. Das Schiff ist riesig. Also für uns, für Kanadier ein nettes Mittelklasse-Modell. Damit touren wir jetzt durch die Lande und haben uns schon sehr gut in den Camping-Lifestyle eingelebt. Von Vancouver aus sind wir nach Whistler, von dort aus gehts immer nach Osten Richtung Rockies.
Schon allein das Aus-dem-Fenster-gucken beim Fahren ist ein Erlebnis, Wasserfälle, glasklare Seen und schneebedeckte Berge gibts direkt vom Highway aus zu sehen. Zwei Fahrstunden weiter hat sich ein völlig anderes Bild präsentiert: nur noch Salbeibusch-vegetation und Landschaft wie im Wilden Westen.
Man merkt, dass Campen eine große kanadische Leidenschaft ist: die Infrastruktur ist super darauf ausgelegt und die Campingplätze echt toll, mal mit tollem Bergblick, mal mit Wasserfall. Heute schlafen wir am Salmon Arm des Shushwap-Lakes, am Strand im Wald. Nice.
Der Fliegenfisch-Ausflug an einem See bei Whistler hat uns leider nicht das Abendessen beschert. Julian und Martin haben zwar in bester Brad Pitt-Manier ihre Fliege geschwenkt, aber die Fische waren nicht beeindruckt. Simon, der einzige unter uns mit Angel-knowledge hats uns gezeigt und einen Fisch herausgezogen-allerdings auch wieder ins Wasser zurückgelassen - muss man in Kanada in den allermeisten Gewässern so machen, wie wir gelernt haben. Also gabs doch wieder Käse-Maccaroni zum Essen.
Das Wandern in den Bergen von Lillooet hat uns allerdings mit tollem Ausblick belohnt.
Nach zwei regnerischen Tagen sind wir jetzt ins Sonnengebiet gefahren und konnten abends auch unsere Campingstühle und die Gitarre auspacken.
Die "Red Bull Week"
3.9.24
Julian:
Die letzten Tage waren für uns die Tage des Extremsports. Hier eine kurze Chronologie unserer schier herakleischen Taten:
28.8.: Wir stehen um halb sechs Uhr früh auf und machen uns auf den Weg zum "Ice Line Trail", einem tollen Steig, der in etwa acht Stunden Fußmarsch an wunderschönen Seen und Wasserfällen vorbei bis hoch zu den Gletschern durch die Rocky Mountains führt:
29.8. Wir kommen an einem See vorbei, der früher mal ein Tal inklusive Autobahn war, aber nun zu einem Staudamm geflutet wurde. Perfekt für uns, denn so können wir dort eine Kajaktour zu einem schönen Wasserfall machen:
1.9. Caro hatte sich zu ihrem Geburtstag gewünscht, dass wir gemeinsam eine Raftingtour machen. Am "Kicking Horse River" haben wir uns zusammen mit unserem Führer Gord, einem jungen Pärchen aus London und einem nicht mehr ganz so jungen Pärchen aus Kanada durch die Fluten gekämpft:

3.9. Der Höhepunkt unseres Extremsport-Marathons.
Showdown im Okananga Valley.
Martin und ich treffen um zehn Uhr zwei Männer namens Rocky und Guilde. In nur wenigen Minuten werden wir unser Leben in ihre Hände legen...
Die beiden stellen sicher, dass unsere Leben es wert sind gerettet zu werden. Dafür werden wir einer Reihe von Tests unterzogen : Gewicht messen, Flexibilitätsübungen für die Beine, Ein dreiseitiges Versicherungsquiz (Tipp: Die Antwort zu jeder Frage ist "ja")... hart, aber mei, von nix kommt nix.
Unsere Mission startet und wir machen uns auf den Weg zu dem Ort, an dem sich entscheidet, aus welchem Holz wir geschnitzt sind :
Martin war der Sprung dann aber anscheinend noch nicht Adrenalin genug, denn als wir bei einem Strandspaziergang an einem Jetski-Verleih vorbeikamen, war klar was wir in der nächsten Stunde machen!
Insgesamt waren es wirklich intensive Tage, und ich hätte mir nicht erträumen lassen, dass ich in so kurzer Zeit so viele Dinge von meiner Löffelliste würde streichen können!
Ab in den Norden...
7.9.24
Caro
Wie kann das sein, die Zeit mit Martin und Simon ist leider schon wieder vorbei! Was für ein wahnsinniger Turbostart unserer Weltreise waren diese letzten Tage.
Am letzten Tag unserer gemeinsamen Zeit ließen wir es uns in Vancouver gut gehen, trieben durch die Stadt, chillten am Strand, gondelten mit dem Aquabus und aßen viel zu viel. Ein würdiger Abschluss. Und schon mussten wir mit unserem Monstrum, das sich dann als erstaunlich bequem für uns vier herausgestellt hat, zum Flughafen fahren und die beiden schweren Herzens verabschieden. Wir hoffen, sie vergessen den Urlaub nicht so schnell.
Also war erst mal Alltag dran: Wäsche waschen. Auch wenn man bei Weltreise erst mal nicht daran denkt, sich mit schwerem Rucksack und vollem Gepäck zum nächsten Waschautomat durchs ganze Viertel zu quälen.
Dann kam die Frage: was nun? Julian wollte gerne ausgiebig Zeit in Vancouver verbringen, ich habe rumgenörgelt, dass man bei dem wundervollen Frühherbstwetter doch noch den Norden Kanadas erkunden könnte, der uns so empfohlen wurde. Was soll ich sagen, Julian ist einfach der liebste treusorgendste Mann, den ich mir vorstellen kann! Er hat mich zum Geburtstag mit einem Flug nach Fort Sant John und seiner Bereitschaft in den Norden zu tingeln, überrascht.
Also haben wir unsere großen Rucksäcke bei Tim, dem Eishockey-Bekannten Martins, untergestellt, der uns überaus gastfreundlich auch noch ein paar abgelegene Ecken Vancouvers gezeigt hat und uns zum Flughafen brachte. Er hat erzählt, dass er mit seiner Eishockeymannschaft schon kurz nach dem Mauerfall für Freundschaftsspiele nach Deutschland kam und sie damals in "Simmerfrais" übernachtet hatten. Wir rätseln, welche Stadt er damit wohl gemeint haben könnte. Unsere Vorschläge hat er alle verneint und meinte, das war so was wie bed and breakfasts. Aaahhh- "Zimmer frei". Das hat gedauert, bis die Erleuchtung kam!
Kaum hier, fiel uns schon der nächste Glücksstern vor die Füße: wir fanden einen Curling-Club! und noch besser: gerade als wir mal in die Halle spicken wollten, kommen zwei Ladies raus. Die eine meint, für heute ist geschlossen, was wir denn wollen.
Wir wollen nur mal gerne reingucken, ob es denn dann morgen ginge? Und da sagt sie doch, ja, morgen ist früh offen, denn da müssen sie da sein, es ist Ausprobiertag. WAAAS?? Wow! Da suchen wir überall nach einer Möglichkeit, Curling mal anzugucken oder sogar auszuprobieren und dann fällt uns diese Gelegenheit vor die Füße, noch dazu in Kanada und in einem richtig traditionellen Club.
Am nächsten Morgen standen wir also auf der Matte und los gings. Gleitsohle über den einen Schuh, Gummisohle auf den Anschubfuß. Dann wurde es einigermaßen peinlich. Unsere nette Trainerin LJ hat mit uns Dehnübungen gemacht, die Stellung ausprobiert und die Balance trainiert. Kein Problem für mich, alte Turnerin und Yogatante- überselbstbewusst geh ich aufs Eis und schwing los, bis ich sehr bescheiden und mit aufgeschlagenem Knie wieder runterkrieche. Erkenntnis: das elegante Gleiten der älteren Herren ist viel schwerer als es aussieht!
Nach fleißigem Gleiten, Anschwingen und anstürmendem Oberschenkelmuskelkater schafften wir es schon mal mit Krücke in der einen Hand und Rock (das sind die Teile, die man nach hinten schiebt) einigermaßen gerade aus dem Startblock gleiten. Die nächste Schwierigkeit war es, dem Rock den richtigen Drall mitzugeben, die werden je nachdem wo sie hinsollen, immer leicht gedreht. Und mit den Fingerspitzen die richtige Geschwindigkeit mitzugeben, was unvorstellbar schwierig zu kontrollieren ist. Wir haben auch einiges über die Strategie gelernt, erst mal einen guard setzen, dann dann hinter den Guard reincurlen und gegnerische Rocks vom Platz fegen - also theoretisch alles klar.
Am Ende unseres Trainings wäre Julian schon fast mit in die Mannschaft aufgenommen worden. Naja fast. Er hat schon mal den Punktering getroffen :) Auf jeden Fall hat es riesen Spaß gemacht!
Neben Curling ist das beeindruckendste an der Stadt das Sport Centre. Sport, vor allem Eishockey, ist das große Ding hier, vor allem, weil außer Sport nichts los ist, wie unsere Curling-Trainerin gesagt hat.
Das Sportzentrum ist dementsprechend auch das Herz der Stadt und hat für alle was geboten. Ich hatte gelesen, da kann man kostenlos joggen, also sind wir da mal hin. Was für ein genialer Bau: unten Eishockey-rinks, daneben noch Basketball, Tischtennis, Spielplatz für Kinder, im ersten Stock eine Bahn für Eisschnelllauf, das ist im Moment noch nicht geeist, und oben rum läuft noch eine 350m Tartan-Bahn. Als wir da waren, war auch wirklich jede Generation aktiv - oder auf den Zuschauerrängen gesessen.
Mein persönlicher Goldrush
10.9.24
Caro
Ich schreibe schon wieder, weil ich die letzten Tage meinen persönlichen Goldrush erlebe. Wir fahren gerade auf dem Alaska-Highway Richtung Norden und sind jetzt schon im Yukon angekommen. Mein Wortschatz ist in letzter Zeit etwas eingeschrumpft und Julian kann es schon nicht mehr hören, deshalb erzähle ich es jetzt euch: WOW! Wie schön! Unglaublich! Wie kann es etwas so schönes in Wirklichkeit geben! Schau, wie schön!
Nicht dass wir etwas spektakuläres erlebt hätten, wir sind die meiste Zeit nur im Auto gewesen, ab und an etwas spaziert. Aber wer hätte gedacht, dass Autofahren so spannend ist, wenn man die richtige Kulisse hat: hier ist gerade indian summer und die gelben Birken, die von der Sonne angeschienen werden, lassen es wirken, als funkelte überall Gold. Dazu die unendliche Weite, Berge und klares Wasser.
Die Bilder sind nur halb so schön wie in echt:
Spannende Abwechslung in dem Goldmeer waren die Tiere, die am Rand des Highway oder auf dem Highway scheinbar für uns Schau gelaufen sind ( was für ein Glück mal wieder!): ein Elch-Baby, ein Bison, eine Caribou-Familie mit Kleinem und Papa mit großem Geweih, eine ganze wilde Bison-Herde weil's so schön war und ein Schwarzbär. Alle ließen sich seelenruhig bestaunen. Wir sind immer gleich ganz aufgeregt an den Straßenrand gefahren und haben dort geguckt - das ist auf der Straße kein Problem, es kommen sowieso kaum andere Fahrzeuge. Bei den Bisons und dem Bär lieber nur aus dem Auto raus, das war nah genug.
Alle Tagesreisen entfernt eine kleine "Stadt", hauptsächlich Autowerkstätten, Unterkünfte und Essensläden. In einer heißen Quelle haben wir Halt gemacht, der Liard Hot Spring. Das war wirklich heiß! Und in Watson Lake haben wir den Schilderwald bestaunt, mit Schildern aus aller Welt. Angefangen hat das ganze um 1940 mit einem Schild aus der Heimat, das aus Heimweh aufgestellt wurde.
Wir haben uns schon gefragt, weshalb so wenig Leute in dieser unglaublich schönen Gegend wohnen. Oder ist es vielleicht überhaupt nur so schön, weil so wenig Leute hier sind?
Reiseramsch Kanada
15.9.24
Julian :
Für diejenigen unter euch, die unseren Reiseblog zum ersten Mal mitverfolgen, eine kurze Erklärung: unter der Rubrik "Reiseramsch" tragen wir aus jedem Land Dinge zusammen, die uns besonders aufgefallen sind und die wir - so - nur in diesem Land beobachtet haben.
Hier also unser erster Reiseramsch aus Kanada :
- alle Läden sehen hier aus, als wären sie geschlossen, was hauptsächlich an der schlechten Innenbeleuchtung liegt. Nur ein leuchtendes "open" Schild gibt Aufschluss darüber ob man rein kann. Oder man zieht einfach mal an der Tür...
- der "Highway", sprich die wunderschöne Landstraße durch gelbe Birken und grüne Fichten, ist mit vielen Schildern gesäumt, die auf Wildwechsel aufmerksam machen sollen. Es gibt aber nicht nur ein Schild für Wikdwechsel wie bei uns, sondern für jedes Tier ein eigenes: eins für Bisons, eins für Elche, eins für Rehe, eins für Karibus, eins für Bären... sogar eins für Wildpferde! Die werden dann alle paar Kilometer bunt gemischt aufgestellt - eine tiefere Logik konnten wir dahinter bisher nicht erkennen.
- aus manchen Autos schaut vorne ein Stromkabel raus, etwa so:

- Apropos Autos: Einen Pick Up wie auf dem Bild oben fährt in den entlegeneren Regionen fast jeder. Hier zwei unabhängig voneinander entstandene Bilder:


- bei den meisten Duschen hier kann man nicht die Wasserintensität einstellen, nur die Temperatur. Sobald man den Henkel um 5 Grad nach rechts dreht, schießt eiskaltes Wasser aus dem Hahn. Je weiter man den Hebel weiterdreht, desto wärmer wird das Wasser. Der Hebel um von Hahn auf Brause umzustellen ist oft sehr gut versteckt, er schaut nämlich genauso aus wie der Siebaufsatz am Wasserhahn selbst - also da wo das Wasser rauskommt.
- Wir haben hier ein neues Kartenspiel für uns entdeckt, es trägt den Namen "Cribbage"

- Die Kanadier stehen leider in Sachen Müllproduktion den Amerikanern in nichts nach: überall gibt es Papp- und Plastikgeschirr, sogar im Hotel beim Frühstück!
- eine kanadische Delikatesse ist mir schnell ins Auge gestochen, das hat man sehr oft gelesen:

- Es gibt hier Kreuzungen, an denen an jeder der vier Zufahrtsstrassen ein Stoppschild steht. Die Regel lautet: alle müssen erst einmal anhalten, aber wer zuerst kommt, darf auch zuerst fahren. Bei einer belebten Kreuzung kommt da bisweilen ein geradezu hypnotisierender Vier-Faden-Reissverschluss zustande.
- Es gibt gerade in den nördlichen Regionen, vor allem im Yukon, noch viele "First Nation Clans", also Nachkommen der Ureinwohner. Jeder Clan hat dabei eine bestimmtes Totem-Tier, das den Clan repräsentiert. Dieses Tier steht meist im Zusammenhang mit einer Erscheinung oder einer Legende, zum Beispiel dass ein Orca dem Stammesvater das Leben gerettet hat. Mein Lieblingstier ist der "sechsfüssige Biber mit zwei Schwänzen", den hat das Clanoberhaupt damals gesehen und es zum Totemtier gemacht. Wenn da mal nicht Feuerwasser im Spiel war...
Zurück in die Zivilisation...
22. Sept.
Caro
Unser Weg in den Norden hat uns bis an die Grenze nach Alaska gebracht. Leider nicht hinüber, wir haben uns nicht um ein Einreisedokument in die USA gekümmert. Unser nördlichstes Ziel mit dem Auto war Haines Junction, eine kleine Versorgungsstation am Alaska Highway. Das liegt am Fuß der Gletscher des Kluane Nationalpark und des Wrangell-St-Elias-Nationalpark, wie er auf der amerikanischen Seite heisst.
Von dort gings weiter in einer kleinen Cessna, bis über die Gletscher und über die Wolken. Ein atemberaubender Anblick!
Auf dem Weg zurück nach Süden, diesmal auf dem Cassiar Highway, genossen wir noch einmal die einsame schöne Natur. Und die Bären, die sich mit auf die Straße gesellt haben, vielleicht weil sie Gesellschaft gesucht haben. Es sind sogar zwei Wildpferde vor uns über die Straße galoppiert. Davon gibts allerdings kein Foto, weil wir viel zu überrascht waren, dass es das wirklich gibt.
Auf unserem Weg haben wir in der Hütte von Margarita übernachtet. Sie hält sich in der Wildnis mit einem kleinen Garten und Hühnern über Wasser, und verkauft ihre Sachen auf dem nächstgelegenen Markt (eine halbe Stunde entfernt). Also vorausgesetzt, sie hat es geschafft ihr Gemüse und ihre Hühner vor den Bären, Füchsen und Wolverines (ja, die gibt es wirklich!) zu verteidigen. Zum Frühstück gab's ein Riesenommelett, vermutlich von den neun überlebenden Hühnern...
Sonst kamen wir in einer Tankstelle mit Zimmern oder in einem stilgerecht schäbigen Motel unter.
Nach den eindrucksvollen Bergen, gelben Birken und grünen Gebirgsseen führte uns der Highway durch ein Stück, dass von dem Waldbrand ziemlich mitgenommen war, danach folgte Weide- und Ackerland und schließlich fuhren wir über die trockene Seite des Küstengebirges bis zurück nach Vancouver. Auf dem Weg kamen wir unter anderem durch Carcross, ein winziges Dörflein, dass noch aussieht wie um 1900. Damals war es im Goldrush eine belebte Stadt gewesen. Ausserdem sahen wir überall Zeugnisse der Kultur der First Nations. Mit dem Erbe tun sich die Kanadier spürbar schwer. Bei vielen Veranstaltungen oder Museen wird zum Beispiel vorher angesagt, wie geehrt sie sich fühlen, dass sie sich auf dem Boden der jeweiligen First Nation Clans befinden.
zurück in Vancouver haben wir uns schon ein bisschen gefreut unsere Backpacks wieder einzusammeln. Man kann sich gar nicht vorstellen wie man kleine Dinge wie eine Nagelschere vermissen kann.
Die nächste Woche, die wir in Vancouver verbringen, wohnen wir mit ein paar anderen Urlaubern und Hausmeister Payman quasi als Touri-WG in einer ziemlich pompösen griechisch-antiken Villa. Aber da funkelt und scheint mehr, als dahinter ist. Das ist uns hier schon öfter aufgefallen: Bling-bling aus den billigsten Materialien, Plastik-Marmorsäulen und abbröckelnde Goldwasserhähne. Ich weiß nicht, mit welcher Kultur das eingewandert ist. Es bestehen viele Wohnviertel aus so riesigen Familienvillen, da gibts beim spazieren viel zu gucken.
Es hat also unglaublich viel zu bieten.
Die Sportplätze nehmen wir natürlich dankbar an. Vor allem unsere Disc-Golf-Formkurve steigt stark nach oben! Auch wenn unser Equipment, das aus einer ganzen Scheibe besteht, neben den Scheibentaschen der anderen (mind. 25 Stück sollten es schon sein) sehr mitleiderregend aussieht.
Tja, wer hätte das gedacht, Essen tun wir auch nicht schlecht. Es gibt hier aber auch tolle Sachen, lecker Seafood und natürlich Burger ohne Ende. An der passenden Kleidung happerts oftmals. Kein Problem- wie man an dem Bild sieht, auf dem die windzerzauste Caro mit dem Holzfällerfleece durch eine Verkettung verschiedenster Umstände mit einem Glas edelsten Champagner in der Hand in der Rooftopbar des piekfeinen Parker Hotels gelandet ist.
Go Canucks Go!
25.9.24
caro
Was gibt es typisch kanadischeres als Eishockey? Zum Abschluss unseres Kanada-Aufenthalts musste das also sein. Eigentlich wollten wir uns mit Tim und seiner Frau treffen, dem ehemaligen Eishockeyspieler, aber da kam leider Covid dazwischen. Aber netterweise hat er uns seine Dauerkarten überlassen und das waren wahrlich Premiumplätze.
Ich fands beeindruckend wie flink und wendig die bulligen Spieler auf dem Eis waren. Das war ganz schön rasant und grob. Mitten unterm Spiel hats zwei Gegnern gereicht, sie haben ihre Handschuhe und Helme von sich geschmissen und mit Händen aufeinander eingeboxt wie in einem schlechten Hinterhofkampf. Da war das Publikum plötzlich auch wieder voll da!
Neben diesem ganzen Sport werden die schönen Künste hier ein bisschen stiefmütterlich behandelt. Aber wir sahen ein sehr witziges Theaterstück im Metro Theater, "The play that goes wrong". Wir wissen nur nicht ob der unglaubliche Gestank im Foyer zum Gesamtkonzept gehört hat.
Eine Freiluftgallerie in einer schlimmen Hintertürgasse, die auch durch die bemalten Türe nicht unbedingt besser wurde, haben wir bestaunt. Bei einer Radltour durch den herrlichen Stanley Park haben wir unsere Nasen Gott sei Dank wieder frei bekommen.
Weiter als bis hier hatten wir noch gar nicht geplant. Aber der Wild-West-Flair einiger Orte hier, die Cowboy-Geschichten und die Country-Songs, die wir auf dem Roatrip die ganze Zeit gehört haben, über Luckenbach, Texas und die Whiskey-Bar in San Antonio haben uns inspiriert: Texas wär cool! Und wenn Texas, dann noch vor den Wahlen im November.
Also ab mit dem Fleecepulli in die Donation-Box und auf nach Austin, Yeehaaw!